Betrüger gaukeln Frau Liebe vor, nehmen sie aus

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"Love Scam" wird eine Form des Internetbetrugs genannt, auf den eine 68-jährige Niederösterreicherin jetzt über Monate hinweg hineinfiel. Über 100.000 Euro verlor sie dabei.

Nach monatelangen, akribischen Ermittlungen, auch über Staatsgrenzen hinaus und unter hohem Aufwand, konnte das Landeskriminalamt Niederösterreich jetzt besonders dreiste Betrüger dingfest machen.

Ein 44-jähriger Italiener sowie ein Kameruner (35) sollen eine einsame 68-jährige Niederösterreicherin um ihr Geld gebracht haben. Die gemeine Masche: Über soziale Medien schrieben die Täter die Frau an, gaben sich als ein auf einem Schiff arbeitender Wissenschafter aus. Über Monate hinweg bauten sie das Vertrauen der 68-Jährigen auf, die große Liebe und ein gemeinsames Leben waren Thema.

Bargeld müsse gereinigt werden

"Der Unbekannte suggerierte der 68-Jährigen in diesen Kontakten, dass sein auf dem Schiff befindliches vorgebliches Barvermögen von mehreren Millionen US-Dollar durch kriminelle Handlungen bedroht sei und von ihr deshalb in Verwahrung genommen werden sollte. Auch sei das Bargeld aus Sicherheitsgründen eingefärbt worden und müsse daher kostenintensiv gereinigt werden", berichtet die Landespolizeidirektion NÖ am Freitag von der Masche der Täter.

Immer wieder überredete der Täter die Frau zur Übergabe von Bargeld, immer wieder traf sie sich an Hauptbahnhöfen unterschiedlicher europäischer Großstädte mit unbekannten Abholern und übergab ihnen mehrmals mehrere zehntausend Euro.

Über 100.000 Euro übergeben

Knapp über 100.000 Euro bekamen die Betrüger so von der Seniorin, die immer noch auf die große Liebe hoffte.

Fünf Monate lang ging das so, bis sie im Juli auf die Betrugsart "Love Scam" aufmerksam gemacht wurde. Plötzlich fiel der Frau wie Schuppen von den Augen, dass sie wie eine Weihnachtsgans ausgenommen worden war und erstattete Anzeige.

"Als die Unbekannten eine weitere Geldübergabe am Münchner Hauptbahnhof forcierten, ersuchte das Landeskriminalamt Niederösterreich die bayerischen Behörden um internationale Rechtshilfe. In der Folge koordinierte das Münchner Kriminalkommissariat 77 für Betrugsdelikte die weiteren Maßnahmen in der bayerischen Landeshauptstadt", so das LKA.

Auch Polizei in Bayern involviert

Ende August wurden dann der 44-jährige Italiener sowie der 35-jähriger Kameruner nach erneuter Kontaktaufnahme festgenommen. Den EU-Haftbefehl erließ in diesem Fall die Staatsanwaltschaft Linz, auf Anordnung der Staatsanwaltschaft München wurde das Duo in die Justizanstalt München gebracht.

Ein Auslieferungsverfahren nach Österreich wurde bereits eingeleitet, die beiden Männer streiten die Tat indes ab.

"Nur durch intensive und ausdauernde Ermittlungen, sowie die gute Zusammenarbeit mit internationalen Strafverfolgungs-Behörden können Täter ausgeforscht werden", freut sich LKA-Chef Omar Haijawi-Pirchner. (nit)

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