Darum ist "Bevölkerungs-Austausch" problematisch

Vizekanzler Strache (FPÖ) befindet sich im Kreuzfeuer der Kritik, weil er von "Bevölkerungsaustausch" spricht. Doch was bedeutet der Begriff wirklich?

Gerade erst musste sich FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache im Namen seiner Partei deutlich von den rechtsextremen "Identitären" distanzieren, nun spricht er vom "Bevölkerungsaustausch" – "Heute.at" berichtete.

Zur Erinnerung: Die "Identitäre Bewegung" (IBÖ) tritt gegen den "Großen Austausch" auf. Sie plakatiert damit genau gegen jenen Bevölkerungsaustausch, den auch der Attentäter von Christchurch als Anlass für die Ermordung von 50 Menschen sah. Dieser wiederum spendete an die "Identitären", weshalb sich die FPÖ von der Organisation lossagen musste.

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Rechtsextremismus-Experte Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) erklärt im Gespräch mit "Heute.at" den Kampfbegriff "Bevölkerungsaustausch". "Der Begriff erfreut sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit in der extremen Rechten – neben bedeutungsidenten Begriffen wie 'Umvolkung', 'Überfremdung' oder 'Ethnomorphose'", so Weidinger.

Der Slogan "Tauscht die Politiker aus, ehe sie das Volk austauschen!" sei laut Weidinger etwa Anfang der 2000er-Jahre von "der rechtsextremen Kleinpartei AFP" auf Aufklebern verbreitet worden. In jüngerer Vergangenheit haben die "Identitären" den gleichbedeutenden Begriff des "großen Austauschs" laut Experten "zu popularisieren versucht".

Die Identitäre Bewegung in Österreich (IBÖ) besteht seit 2012 und geht von der "europäischen Kultur" aus, deren Identität vor allem von einer Islamisierung bedroht sein soll. Die "IBÖ" wird vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft. Das Logo der Organsiation ist der griechische Buchstabe Lambda. Er wird in gelb auf schwarzem Hintergrund dargestellt.

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"Man unterstellt, dass die zunehmende ethnische Diversität Folge eines planmäßigen Handelns von volksfeindlichen Kräften sei"

Was genau meinen denn diese Gruppen und Personen, wenn Sie den Begriff gebrauchen? "Man unterstellt, dass die zunehmende ethnische Diversität Folge eines planmäßigen Handelns von volksfeindlichen Kräften sei", so Weidinger. Auch wegen der Begriffsverwendung zuletzt durch Vizekanzler Heinz-Christian Strache sieht der Experte die Distanzierung der FPÖ von den Identitären kritisch.

"Die sogenannten Identitären sprechen im Allgemeinen vom 'großen Austausch', aber gemeint ist – wie bei Vorläufern der beiden Begriffe – dasselbe. Mit der demonstrativen Übernahme identitärer Erzählungen soll offenbar suggeriert werden, dass trotz Distanzierung auf formaler – personeller und organisatorischer – Ebene im inhaltlichen nach wie vor Gleichklang gegeben ist", so Weidinger.

"Wer dahinter einen Masterplan internationalistischer Eliten wittert, bewegt sich auf das Feld der Verschwörungsphantasie"

Strache nannte das Wort zudem einen "Begriff der Realität" und sagte: "Wir wollen nicht zur Minderheit in der eigenen Heimat werden." Damit kann Weidlinger wenig anfangen: "Realität ist, dass die österreichische Bevölkerung heute ethnisch heterogener ist als vor 80 Jahren. Wer dahinter einen Masterplan internationalistischer Eliten wittert, bewegt sich auf das Feld der Verschwörungsphantasie."

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sieht das naturgemäß anders. "Es kann doch nichts Verwerfliches sein, wenn der österreichische Vizekanzler real stattfindende Entwicklung in unserem Land aufzeigt", heißt es in einer Aussendung. "Es ist nämlich eine Tatsache, dass sich Österreich durch die jahrzehntelange übermäßige linke Zuwanderungspolitik immer mehr zu einem Land mit muslimischer Mehrheit entwickelt."

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(lu)

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