Seit Anfang des Sommers verschärft sich das Obdachlosen-Problem auf der Mariahilfer Straße, Österreichs größter Einkaufsstraße, zusehends. Zum Teil entstanden richtige Camps, in denen mehrere obdachlose Menschen hausten und bereits am Vormittag dem Alkohol zusprachen – "Heute" berichtete.
Im Juni reagierten auch die Anrainer-Bezirke: Ein Maßnahmenpaket seitens der Bezirke Mariahilf und Neubau und Sozialorganisationen sollte für mehr Sicherheit sorgen. Vor allem der Bundesländerplatz, die Gruft in der Barnabitengasse, der Platz vor dem Einkaufszentrum Gerngross sowie der Christian-Broda-Platz stehen im Fokus der Maßnahmen.
Offenbar hat das Maßnahmenpaket aus Sozialarbeitern und mehr Polizeipräsenz aber nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Mitte November machte die FPÖ Mariahilf einen Vorstoß und forderte ein Alkoholverbot auf der Mariahilfer Straße und am Christian-Broda-Platz außerhalb der Schanigärten sowie den Abbau von Liegeflächen. Diese würden "nur Problemgruppen zu längerem Verweilen einladen", so die FPÖ.
Nun sehen auch fast alle anderen Bezirksparteien Handlungsbedarf: Im Mariahilfer Bezirksparlament beantragte die ÖVP am Donnerstag die Prüfung eines Alkoholverbots im Umfeld der Barnabitengasse. Dieser Antrag wurde mit einer breiten Mehrheit von SPÖ, ÖVP, Neos und FPÖ angenommen. "Im Rahmen mehrerer Versammlungen mit Vertretern der Gruft, den involvierten Magistratsabteilungen und der Polizei haben die Anrainerinnen und Anrainer wiederholt den Wunsch nach Verhängung eines Alkoholverbots geäußert", begründet Gerhard Hammerer, Obmann der ÖVP Mariahilf, den Antrag.
Nun sei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Zug. Dieser könne, wie auch am Praterstern in Wien-Leopoldstadt, ein Alkoholverbot an genannter Örtlichkeit erlassen. "Die nun beschlossene Prüfung soll einerseits die genauen Ausmaße der Alkoholverbotszone beinhalten, andererseits aber auch die bisher gesetzten Maßnahmen im Umfeld der Gruft evaluieren und gegebenenfalls ausweiten", so Hammerer weiter.
Das Alkoholverbot sei keine Aktion gegen Obdachlose, betont der ÖVP-Politiker: "Unser Ziel ist es, das friedliche Miteinander zwischen den Anrainern und den Klienten der Gruft zu verbessern und damit insgesamt zu einer Entlastung beizutragen. Probleme offen ansprechen und gemeinsam nach Lösungen suchen, dafür steht die ÖVP Mariahilf."