Wo sind Mali Yahalomi (50) und ihre Tochter Liel (23)? Seit Freitag fehlt von den beiden Israelinnen jede Spur. Malis Bruder Ronen Yahalomi ist inzwischen selbst nach Wien gereist. Er will nicht Tausende Kilometer entfernt nervös und in Angst warten.
"Ich versuche so gut ich kann bei der Suche zu helfen. Halte Kontakt zur Botschaft, zu Ermittlern, ich rede mit vielen Leuten, es war mir sehr wichtig, auch hier zu sein", erzählt der in der Filmbranche tätige Israeli im Gespräch mit "Heute".
Die Ungewissheit lässt ihn nicht los. "Ich glaube, alles ist möglich – ich denke pausenlos nach. Im Kopf dreht sich alles – immer und immer wieder."
Die Suche nach den beiden Frauen wurde zu einer großen Operation. Meldungen, wonach die Suche von der Wiener Polizei eingestellt worden sei, werden gegenüber "Heute" aus der Landespolizeidirektion dementiert.
Die Ermittlungen seien weiterhin im Gange. Akribisch werden Videoaufnahmen aus der Umgebung analysiert, jedem Hinweis aus der Bevölkerung werde nachgegangen.
Auch das private israelische Rettungsunternehmen "Magen Search and Rescue" soll sich an der Suche beteiligen. Sie versprechen: "Mit einem erfahrenen Rettungsteam, weltweiten Kontakten und umfassenden Möglichkeiten bei Sucheinsätzen finden wir jede vermisste Person und sorgen dafür, dass sie sicher nach Hause zurückkehrt."
Für Ronen bleibt das Verschwinden seiner Angehörigen ein schmerzhaftes Rätsel. Seine Schwester und ihre Tochter seien immer wieder gemeinsam verreist: "Sie kennen sich aus in Europa, ich will mir gar nicht vorstellen, was geschehen sein kann."
Seine Schwester Mali ist ein absoluter Familienmensch, sagt Ronen. Sie habe ihre Kinder alleine großgezogen und engen Kontakt zu ihren Angehörigen. "Wir sind eine ganz normale Familie, haben kaum Streit, wir sind eine starke Einheit."
Es gab Gerüchte, wonach die leitende Bankangestellte, Geld veruntreut haben soll. Durch den Schock dieser Meldung sanken die Aktienkurse kurzzeitig um bis zu 12 Prozent, berichten israelische Medien. Ronen wischt das alles als Blödsinn weg: "Die Bank hat selbst velautbart, Geld ist keines verschwunden, alles ist normal!"
Die Vorgeschichte: Vergangenen Freitag hatten Mali und Liel ihrer Familie noch ein Video aus ihrer Unterkunft in Wien geschickt. Sie hatten eine kleine Ein-Zimmer-Wohnung in Wien-Margareten für ein paar Tage gemietet, bis zur Innenstadt sind es etwa 20 Minuten zu Fuß.
Danach begann der Schabbat. Weil beide religiös sind, waren ihre Handys zunächst ausgeschaltet. Als danach weiterhin kein Kontakt zustande kam, wuchs die Sorge.
Spätestens als die beiden am Dienstag ihren geplanten Rückflug von Prag nach Israel verpassten, schlug die Familie Alarm.
Ronen versucht seither, sich nicht in Spekulationen zu verlieren. "Ich glaube nicht, dass sie freiwillig verschwunden sind", sagt er zu "Heute", "aber wir müssen alle Möglichkeiten offen lassen. Es muss in alle Richtungen geprüft werden."
Für ihn bleibt vor allem eine quälende Frage: Was ist mit seiner Schwester und seiner Nichte passiert? "Ich sehe keine logische Begründung für das spurlose Verschwinden."