Cristiano Ronaldo stand nach dem jähen Zerplatzen seines letzten großen Traums vor den portugiesischen Anhängern und weinte. Es sah aus, als sei er am Boden zerstört. Dann trottete der mehrmalige Weltfußballer mit gesenktem Kopf in die Kabine, seine Kapitänsbinde hatte er längst abgezogen, er trug sie in der Hand. Den WM-Titel mit Portugal, dem er noch einmal hinterhergejagt war, wird der 41-Jährige nach dem 0:1 (0:0) im Achtelfinale gegen Spanien nicht mehr gewinnen, eine Ära geht zu Ende.
"Es war tatsächlich meine letzte WM", sagte Ronaldo später im Bauch des Stadions in Dallas, danach relativierte er diese Aussage - aber nur ein wenig: "Höchstwahrscheinlich, ja." Was "den Rest" angehe, also eine Zukunft in der Nationalmannschaft, dafür werde er sich "Zeit zum Nachdenken nehmen".
Sein Vermächtnis für die Nationalmannschaft wollte Ronaldo aber schon mal nicht unerwähnt lassen: "Ich habe drei Titel für Portugal gewonnen. Vor Cristiano hatten sie keinen einzigen Titel gewonnen. Ich bin also glücklich. Ehrlich gesagt war mein größter Titelgewinn mit der Nationalmannschaft 2016, und der hat für mich dieselbe Bedeutung wie eine WM." 2016 wurde Portugal in Frankreich Europameister.
In seinem 27. und letzten WM-Spiel hatte Ronaldo nur 16 Ballkontakte, den Schlusspunkt unter seine WM-Karriere setzte "Joker" Mikel Merino, der den Europameister mit seinem Treffer in der ersten Minute der Nachspielzeit im Stadion von Dallas ins Viertelfinale schoss. Bei ihrer ersten Teilnahme an der Runde der letzten acht seit dem Titelgewinn 2010 trifft Spanien nun am kommenden Freitag in Los Angeles (21 Uhr) auf Co-Gastgeber USA oder Belgien.
Ronaldo betonte, er gehe "mit einem reinen Gewissen", doch nicht nur er, auch seine Mitspieler waren niedergeschlagen. "Wir sind hierher gekommen, um die WM zu gewinnen. Diese Gruppe hatte das Potenzial dazu", sagte Bruno Fernandes von Manchester United. Portugal, fügte er hinzu, müsse "jetzt auf eine andere Weise nach vorne schauen. Wir müssen mehr wir selber sein, schauen, was unsere Essenz ist, auf unsere Art und Weise spielen, so dass die anderen Teams uns mehr respektieren."
Vor dem Spiel hatte Ronaldo noch einmal betont: "Wir alle versuchen, den Titeltraum zu verwirklichen." Im Mittelpunkt stand aber neben dem Generationenduell zwischen ihm und Jungstar Lamine Yamal (18) auch das Kräftemessen der Mittelfeldstrategen Rodri und Vitinha. Portugals spanischer Trainer Roberto Martinez sprach von einem "Fest für den Fußball". Nach dem Schlusspfiff, der auch das Ende seiner Zeit als Nationaltrainer bedeutet, betonte er: "Wir haben gegen einen WM-Favoriten auf Augenhöhe gespielt. Ich bin stolz auf mein Team."
Beiden Mannschaften war ihr hohes technisches Niveau von Beginn anzusehen. Trickreich und ballsicher suchten sie nach Lösungen und kamen zu ersten Abschlüssen. Auch nach einem turbulenten Start blieb das Tempo hoch. Beide Torhüter konnten sich auszeichnen, bei den Spaniern war dabei auf Unai Simón Verlass. Der Baske, der schon in den ersten vier Spielen ohne Gegentor geblieben war, zeigte starke Reflexe. Von seinen Vorderleuten kam bis zur Pause offensiv nicht mehr viel. Yamal war auf dem rechten Flügel abgemeldet.
Portugal kam mit mehr Schwung aus der Kabine und stieß häufig ins letzte Drittel vor, war in seinen Aktionen aber nicht zwingend genug. Spanien benötigte lange, um die Schlagzahl zu erhöhen, wurde dann aber gefährlich. Yamal prüfte Costa per Freistoß (73.). In der 85. Minute kam Merino - und traf sechs Minuten später nach einem schnell ausgeführten Freistoß.