Blausäure in der Luft: Stadt beginnt mit Evakuierung

In der Nacht auf Donnerstag flog im Hafen der chinesischen Stadt Tianjin ein Chemielager in die Luft. Dabei sollen mindestens 104 Menschen getötet und 721 verletzt worden sein. Nun hat der Wind gedreht und die giftigen Gase werden in die Stadt zurückgetrieben. Erste Notunterkünfte werden nun, zwei Tage nach dem Unglück, evakuiert. An der Unfallstelle brennt es noch immer, auch Explosionen sind wieder zu hören.
 

Die chinesische Zentralregierung hielt sich von Anfang an bedeckt, Opfer- und Verletztenzahlen sowie Informationen sickerten nur langsam durch. Inzwischen dürfte aber klar sein, dass bei den Explosionen tonnenweise Chemikalien in die Luft flogen, unter anderem das hochgiftige Natriumcyanid, wie der "Spiegel" und die "BBC" berichten. 

Zwei Tage lang hieß es, Wind treibt Dämpfe aufs Meer

Anfangs wurde versichert, der Wind treibe die Dämpfe aufs Meer. Inzwischen werden im Umkreis von drei Kilometern Bewohner evakuiert. Die Bevölkerung wird aufgefordert, Mundschutz und lange Hosen zu tragen, zumindest eine Notunterkunft wird bereits geräumt. 

"Hunderte Tonnen" Zyanid widerrechtlich gelagert

Am Sonntag gab das Militär bekannt, dass "Hunderte Tonnen" hochgiftiges Zyanid an der Unglücksstelle gelagert waren. Laut offiziellen Bestimmungen hätten diese Stoffe hätten niemals in der 15-Millionen-Stadt aufbewahrt werden dürfen. Laut Sicherheitsauflagen muss ein Abstand von mindestens einem Kilometer zu Gebäuden und Straßen eingehalten werden. 

Feuer flammt wieder auf, neue Explosionen

Am Samstag flammte zumindest ein Feuer wieder auf, immer wieder waren neue Explosionen zu hören, schwarzer Rauch stieg auf. Angehörige von vermissten Feuerwehrleuten versuchten eine Pressekonferenz zu stürmen und mussten von der Polizei zurückgedrängt werden. 

Noch nie starben so viele Feuerwehrleute

Noch nie starben bei einem Unglück in China so viele Feuerwehrleute wie am Donnerstag. 21 Tote gibt es von den Angehörigen zu beklagen, 85 Feuerwehrleute werden noch vermisst. "Als die Explosion passierte, waren Feuerwehrleute dabei, den Brand zu löschen, und Nachschub war gerade eingetroffen. Sie wurden völlig überrascht", zitiert der "Spiegel" Feuerwehr-Chef Zhou Tian.

Inzwischen wird vermutet, dass die Feuerwehr selbst zur Katastrophe beigetragen haben könnte. Sie löschten mit Wasser, ohne zu wissen, was in Brand steht. Das könnte die Explosion ausgelöst haben. 

In den vergangenen Tagen wurden 360 Konten sozialer Netzwerke gesperrt. 50 Websites wurden laut "Presse" wegen "Erzeugens von Panik durch die Verbreitung ungeprüfter Informationen" bestraft.

 
Natriumcyanid ist das Natriumsalz der Blausäure und tritt als weißes Pulver oder in kristalliner Form auf. Es ist wasserlöslich und zieht Luftfeuchtigkeit aus der Luft. In gelöster Form oder wenn es verbrannt wird wird es zu Blausäure und hat den typischen Geruch nach Bittermandeln. Wird es inhaliert oder verschluckt führt es schnell zum Tod. Das Gift kann auch über die Haut aufgenommen werden. 

Blausäure ist extrem giftig, schon ein bis zwei Milligramm pro Kilogramm Körpermasse wirken tödlich. 
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