Am Sonntag dröhnen in Jeddah die Motoren (19 Uhr Rennstart). Schon vor dem zweiten Saisonrennen der Formel 1 mangelt es nicht an Gesprächsstoff. Das Wochenende bietet schon vor dem großen Showdown mehr Action, als den Veranstaltern und vor allem den Fahrern lieb ist.
Am Freitag kam es rund 19 Kilometer von der Rennstrecke entfernt zu einem Raketen-Anschlag auf die Öl-Anlage von Formel-1-Hauptsponsor Aramco. Huthi-Rebellen, gegen die Saudi-Arabien im Jemen Krieg führt, bekannten sich zur Attacke. Obwohl Fahrer Bedenken äußerten, wurde weiter trainiert und das Qualifying am Samstag planmäßig durchgeführt.
Dort kam es in Q2 dann zum schlimmen Unfall von Mick Schumacher. Der Haas-Pilot verlor in einer Highspeed-Kurve beim Überfahren eines Curbs die Kontrolle über seinen Boliden, krachte ungebremst seitlich in die Betonmauer. Zunächst mussten die Fans lange Bangen. Im Fernsehen wurden keine Nahaufnahmen von der Unfallstelle gezeigt, auch keine Wiederholung des Crashs ausgestrahlt – oft kein gutes Zeichen. Dann kam die Entwarnung: Dem Sprössling von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher gehe es soweit gut, er müsse zu näheren Untersuchungen ins Spital.
Inzwischen hat sich Mick auch selber zu Wort gemeldet – Aufatmen im Fahrerlager!
Dennoch bleibt bei so manchem Konkurrenten der Ärger auf das Streckendesign zurück. Piloten machen sich Sorgen um ihre Sicherheit. Es handelt sich um den schnellsten Stadtkurs der Welt. Heißt: Es wirken große Kräfte, Fehler werden nicht verziehen. Es gibt kaum Auslaufzonen, wer das Heck verliert landet wie Schumacher in der Mauer.
Deshalb sagt Weltmeister Max Verstappen vor dem Rennen: "Wenn du wie Mick das Auto verlierst und in die Strecke krachst, ist es schmerzhaft und sehr, sehr gefährlich. Und nicht nur das, die Geraden sind nicht wirklich welche, weil sie viele blinde kleine Kurven haben."
Der Red-Bull-Star ist sauer: "Ich verstehe das nicht, warum man das so designt hat. Wenn man da Vollgas geben soll, mach einfach eine Gerade draus, das ist sicherer für alle."
Verstappen startet am Sonntag hinter seinem Kollegen Sergio Perez und den beiden Ferraris von Charles Leclerc und Carlos Sainz an vierter Stelle.
Schon im Vorjahr hatte George Russel, inzwischen Lewis Hamiltons Kollege bei Mercedes, die Strecke als "unnötig risikoreich" kritisiert. Einige Kurven wurden seither entschärft. Allerdings nicht jene neuralgische Stelle, die Schumacher ins Krankenhaus befördert hat.
Diese bereitete auch anderen Fahrern grobe Schwierigkeiten. Formel-2-Fahrer Cem Bölükbasi verunfallte an derselben Stelle, verpasst wegen einer schweren Gehirnerschütterung ebenfalls das Rennen. Mehrere Formel-1-Piloten wurden vom selben Curb ausgehebelt, konnten einen Einschlag in letzter Sekunde verhindern.
Ein unfallfreies Rennen gilt am Sonntag als unwahrscheinlich. Schon im letzten Jahr krachte es auch am Renntag.