Eine Serie russischer Angriffe hat in der Ukraine zahlreiche Tote und Verletzte gefordert. Besonders schwer traf es Krywyj Rih: In einem belebten Einkaufszentrum wurden mindestens 16 Menschen getötet. Laut Militärgouverneur Olexander Hanscha gab es mindestens 130 Verletzte, darunter 22 Kinder. Neun Menschen wurden vermisst.
Mehrere Geschäfte gerieten in Brand. Offenbar schlug zunächst eine Drohne ein, rund 30 Minuten später folgte ein weiterer Angriff. Ein Video soll eine Drohne zeigen, die in das bereits rauchende Gebäude stürzt. Die Echtheit der Aufnahmen konnte zunächst nicht überprüft werden.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete den Angriff auf seine Heimatstadt als "absolut zynisch und verabscheuungswürdig". Die zweite Drohne habe demnach Rettungskräfte treffen sollen. "Solche Angriffe sind schlichtweg Terrorakte", erklärte Selenskyj und forderte internationalen Druck auf Russland. "Damit Frieden herrschen kann, muss Russland tatsächlich zur Verantwortung gezogen werden."
Auch andere Regionen meldeten Opfer. In Mykolajiw starben mindestens vier Menschen, darunter drei Kinder, eine Frau wurde verletzt. In Kiew kam bei einem durch einen Angriff ausgelösten Brand in einer Lagerhalle ein Mensch ums Leben, mehrere wurden verletzt. In Saporischschja forderte ein Drohnenangriff einen Toten und vier Verletzte.
Im Gebiet Charkiw wurden zwei Frauen im Alter von 66 und 73 Jahren bei einem Angriff mit sechs Drohnen auf das Dorf Lebjaschje getötet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt. Fünf Häuser brannten, drei wurden zerstört und zahlreiche weitere beschädigt.
Nach ukrainischen Angaben setzte Russland insgesamt 135 Drohnen ein, 107 seien abgeschossen worden. Moskau meldete zudem die Einnahme des Dorfes Selene in Donezk. Eine russische Stellungnahme zu den ukrainischen Angaben über die Angriffe lag zunächst nicht vor.
Die Ukraine antwortete ihrerseits mit Hunderten Drohnen. Russland erklärte, 325 davon abgeschossen zu haben. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Mehrere Moskauer Flughäfen stellten wegen Luftalarms vorübergehend den Betrieb ein.
In der Region Perm wurde Medienberichten zufolge eine Ölraffinerie getroffen, woraufhin ein Brand ausbrach. Selenskyj bestätigte später den Angriff auf die "über 1.600 Kilometer von der Grenze" entfernte Raffinerie und weitere Ziele.
Krywyj Rih war bereits wenige Tage zuvor mit Kampfdrohnen und ballistischen Raketen angegriffen worden. Damals starben nach offiziellen Angaben zwei Zivilisten, knapp ein Dutzend Menschen wurde verletzt.