Am Tag danach ist es ruhig in dem Innenhof in Rudolfsheim-Fünfhaus in Wien. Kaum etwas lässt erahnen, welche dramatischen Szenen sich hier nur wenige Stunden zuvor abgespielt haben. Dienstag um 0.30 Uhr starb hier ein 26-jähriger Syrer im Hof.
Beim "Heute"-Lokalaugenschein treffen wir Janus (20). Der Student lebt in einer Erdgeschosswohnung in dem Haus in der Ullmannstraße, sein Fenster geht direkt in den Innenhof. "Der Mann starb direkt vor meinem Fenster", sagt er zu "Heute".
Janus war in der Nacht zu Hause, ein Freund übernachtete bei ihm. Kurz nach Mitternacht wurde es plötzlich laut. Der Student hörte ein heftiges Klopfen gegen das Tor zum Innenhof. Dann folgten laute Schreie und ein Tumult im Hof.
"Ich dachte zuerst, das sind Betrunkene", erinnert er sich. Doch die Situation spitzte sich zu. "Dann hat mein Bekannter noch lautere Schreie auf Arabisch gehört." Wenig später war klar, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. "Ein Mädchen rief mit ihrem Handy die Polizei." Rettung und Polizei waren mit fünf Streifen und zwei Rettungswägen sehr schnell vor Ort .
"Der Mann lag direkt vor meinem Fenster im Hof", erzählt der 20-Jährige. Für den Schwerverletzten begann ein verzweifelter Kampf um sein Leben. Doch alle Versuche, ihn zu retten, scheiterten. Der 26-Jährige verstarb leider noch im Innenhof.
Auch andere Bewohner des Hauses stehen am Tag danach noch unter dem Eindruck der Ereignisse. Ein älteres Ehepaar wohnt schon seit 1978 in dem Haus, kennen die Probleme in dem Grätzl nahe der berüchtigten U6-Station Gumpendorfer Straße genau. "Ein Problem ist, dass das Haustor ständig offen ist", erzählen sie. "So etwas ist bei uns noch nie passiert, bisher hatten wir nur einen Einbrecher", erzählen die beiden.
"Die Drogenszene ist außer Kontrolle. Wenn Verwandte zu Besuch sind, fragen sie entsetzt: Wo lebt ihr da?" Das Haus sei aber ruhig, die Gemeinschaft gut. Die Nachbarn kennen einander. Ein Zusammenhang zwischen der Drogenszene, die sich von der U6-Station in das Grätzl ausbreitet, und der Bluttat ist nicht bekannt.
Die Ereignisse der Nacht ließen die beiden Wiener nicht mehr zur Ruhe kommen. "Wir konnten die ganze Nacht nicht schlafen, jetzt machen wir einen Mittagsschlaf."
Der Polizeieinsatz vor Ort endete Dienstag gegen 2 Uhr Früh. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat laufen weiter auf Hochtouren. Wie "Heute" von der Polizei bestätigt wurde, handelt es sich bei dem Toten um einen 26-jährigen Syrer. Als Tatwaffe wurde mutmaßlich ein Messer verwendet.
Ausgangspunkt der Bluttat dürfte eine Auseinandersetzung im Bereich des Gaudenzdorfer Gürtels in Wien-Margareten gewesen sein. Dort soll der 26-Jährige zuvor in eine Massenschlägerei mit mehreren Personen geraten sein.
Anschließend soll der Mann in Richtung 15. Bezirk geflüchtet sein. Schließlich gelangte er schwer verletzt in den Innenhof.
Wie genau die Auseinandersetzung am Gürtel ablief und wann der 26-Jährige seine tödlichen Verletzungen erlitt, ist Gegenstand der Ermittlungen. Der Täter ist noch immer flüchtig. Die Kripo versucht nun, den genauen Ablauf der Bluttat zu rekonstruieren und den Verantwortlichen auszuforschen. Die Leiche des 26-Jährigen soll obduziert werden.