Bordellgäste zahlten Tausende Euro für keinen Sex

Die beiden Angeklagten
Die beiden Angeklagtenprivat
Ein Bordellchef, ein Freund und Rotlichtdamen sollen in St. Pölten Gäste abgefüllt und dann betrogen haben. Gestern kam es zum finalen Prozess.

Eigentlich hatten sich die Gäste in der St. Pöltner "Love Lounge" nur amüsieren wollen und bezahlten dafür schließlich sehr teuer.

Dabei war das Quartett laut Anklageschrift dreist und gierig vorgegangen: Zwischen Ende 2018 und Mitte 2020 sollen die Angeklagten mindestens 17 Besucher der "Love Lounge" bis auf die Haut ausgezogen haben (übrig blieben dann beim Prozess rund zehn Opfer, Anm.). Die Opfer wurden schwer betrunken gemacht. Dann gab es noch auf Einladung den "Spezial-Haustrunk", ein hochprozentiges Gemisch aus Absinth und möglicherweise anderen Substanzen.

Beweisfotos

Kippten die Bordellbesucher schließlich weg, setzten sich drei, vier Damen neben den schlafenden Gast. Zahlreiche leere, teure Schampusflaschen wurden platziert und Fotos geschossen. Erwachte der Gast wieder aus seinem Dämmerzustand, bekam er eine gesalzene Rechnung serviert - zwischen 6.000 und 22.000 Euro. Dem entsetzten Opfer wurden dann noch die "Beweisfotos" vorgelegt.

Einige Opfer bezahlten aus Scham oder schlechtem Gewissen. Wurde nicht sofort bezahlt, half der Russe (war Bordellchef) nach. Ein Opfer wurde zu Hause besucht, einem Lehrer wurde laut Anklage angedroht, zwei Prostituierte würden die Schule, in der der Pädagoge beschäftigt ist, aufsuchen. Ein schwer verunsicherter Handwerker musste sich sogar einen Kredit aufnehmen. Halfen alle Einschüchterungsversuche nichts, erstattet der Puff-Chef schließlich Anzeige bei Polizei - diese Masche zog er immer wieder ab.

"War nackt, Geld war weg"

Nur: Im Dezember 2019 wurden die Ermittler misstrauisch, zu oft waren Bordellkunden von den gierigen Tätern angezeigt worden. Augenscheinlich: Die angeblichen Rechnungen waren dabei immer sehr hoch. Das Landeskriminalamt nahm noch Ende 2019 die Ermittlungen auf, erhob akribisch und Mitte im Sommer 2020 wurde die Bordell-Bande hochgenommen. Zahlreiche Polizisten und die Cobra standen dabei im Einsatz, das Bordell wurde geschlossen - mehr dazu hier.

An mehreren Verhandlungstagen am Landesgericht Sankt Pölten schilderten Opfer im Zeugenstand ihre Geschichten wie: "Ich wachte nackt auf und das Geld war weg". Oder ein Italiener zahlte 4.000 Euro für keinen Sex.

Haftstrafen

Die Verantwortung des Hauptangeklagten (33) war unterschiedlich. Der 33-jährige Bordellbetreiber hatte am ersten Prozesstag sein polizeiliches Geständnis widerrufen: "Ich hatte zwei Tage nichts geschlafen und drei Whiskey getrunken. Einige Kunden haben Schuldscheine unterschrieben und waren zwei Wochen später wieder bei uns im Bordell."

Am gestrigen Donnerstag kamen die Urteile wegen Erpressung, Betruges, Körperverletzung: 2,5 Jahre für den 33-jährigen Chef. Ebenfalls 2,5 Jahre Haft für seinen Freund (40) und 6 Monate bedingte Haft für eine Prostituierte (42). Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

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