Brazilian Butt Lift: Warum die Po-Vergrößerung boomt

Kim Kardashian ging mit ihrem Hinterteil voran. 
Kim Kardashian ging mit ihrem Hinterteil voran. imago images / MediaPunch
Was einst die Brust war, ist heute der Hintern: Gesäßstraffungen nehmen auch in Österreich an Beliebtheit zu - trotz dem enorm hohen Risiko. 

Bauch rein, Po raus! War es vor ein paar Jahrzehnten noch Dolly Buster, die weltweit zum Busen-Vorbild avancierte, so gehen heute Kim Kardashian und Beyoncé mit ihrem Hintern voran. Ein wohlgeformter, üppiger Po ist zum Ideal geworden - und verleitet auch in Österreich immer mehr Frauen zu einer Beauty-OP an ihrem Allerwertesten. "Der Wunsch den eigenen Körper zu verändern ist nichts Neues. Lange Zeit beschränkte sich der Wunsch auf eine reine Fettabsaugung und oder Brustvergrößerung. Doch mit Blick auf Schönheitsideale aus aller Welt durch Fernsehen und digitale Medien haben sich auch die 'Ideale' verändert", erklärt Dr. Dani Lutfi, plastischer Chirurg vom Santé femme Institut für Frauengesundheit, gegenüber "Heute".

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Der Wunsch nach dem "Extremen"

Einerseits ein schöner Trend, sagt der Experte auf dem Gebiet der Eigenfetttransplantation. Endlich gehe es in Schönheitschirurgie in Richtung "body-positivity" und Natürlichkeit. Andererseits äußert er jedoch auch Bedenken, da diese operativen Techniken auch künstliche Überproportionen erzeugen können. "Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass es in allen ästhetischen Bereichen die Nachfrage nach dem Extremen geben wird."

Der Überbegriff "Brazilian Butt Lift" oder auch BBL ist ein in Brasilien begonnener und in Nordamerika gewachsener Trend der Gesäßvergrößerung bzw. Formung. Während es in Brasilien mehr um die Formanpassung geht, hat sich dieser Trend in Amerika eher in Richtung Überproportion entwickelt. Schmale Taille und breite "weibliche" Kurven aller Kim Kardashian und Beyoncé.

In den letzten Jahren ist dieser Trend auch immer öfter in Österreich gefragt. Dabei sei der Wunsch der Patientinnen allerdings eher ein "fehlendes Volumen anzugleichen als eine krasse Überproportion zwischen Taille und Gesäß zu bekommen." Zumindest bisher, denn die Nachfrage nach Überproportionen steige auch hierzulande.

"Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass es in allen ästhetischen Bereichen die Nachfrage nach dem Extremen geben wird."

Vor allem die jüngere Generation - "ab Anfang 20" - wünsche sich eine gesamtheitliche Harmonie, die auch das Hinterteil miteinschließt. "Hier zählt vor allem die sogenannte 'organischen Schönheit und gesunde Lebensweise. Daher ist der Trend der Eigenfettttransplantation hier besonders zu beobachten."

Dr. Dani Lutfi ist plastischer und ästhetischer Chirurg im Santé femme Institut für Frauengesundheit und Experte auf dem Gebiet der Eigenfetttransplantation 
Dr. Dani Lutfi ist plastischer und ästhetischer Chirurg im Santé femme Institut für Frauengesundheit und Experte auf dem Gebiet der Eigenfetttransplantation Sante femme

Weit weg von Barbie und Ken

Doch von dem einen Idealbild könne hier keinesfalls gesprochen werden. "Zum Glück ist die Definition von Schönheit heutzutage ein sehr dehnbarer Begriff. Wir entfernen uns trotz veralteten Idealvorstellungen immer mehr von DEM perfekten Portrait einer Frau oder eines Mannes. Das ist gut denn sonst streben alle nach demselben Barbie- oder Ken-Look", so Lutfi. Jede Frau und jeder Mann würden für sich selbst die eigene Schönheit definieren. So sei es für die einen ein Birnen-ähnlicher Po für die anderen eher ein Apfel. "Diese Entscheidung sollte nicht ihr Operateur treffen! Jeder Körper hat seine eigene Ästhetik und den meisten Patientinnen und Patienten ist es wichtig diese zu betonen."

Das sogenannte BBL ist eine Gesäßformung mit körpereigenem Fettgewebe. Dabei ist es möglich durch simultane Fettabsaugung, zum Beispiel an Rücken und Hüften, dem Gesäß eine harmonischere Form zu geben aber auch gleichzeitig diese zu vergrößern falls es als zu flach empfunden wird.

Drei Monate bis zum neuen Hintern

Dabei dauert der Eingriff selbst nur etwa zwei bis zweieinhalb Stunden und erfolgt in der Regel ambulant im Dämmerschlaf. Währenddessen wird zunächst das Fett durch eine Fettabsaugung an den zuvor gemeinsam mit der Patienten markierten Stellen abgenommen und schonend in spezielle Spritzen umgefüllt. Anschließend wird es gezielt über ein bis zwei kleine Einstiche in den gewünschten Bereich gebracht.

"Was danach bleibt, bleibt dauerhaft."

Anders als beispielsweise bei der Brustvergrößerung ist das Endergebnis jedoch nicht sofort sichtbar. Es dauert etwa drei Monate bis das endgültige Resultat verbleibt, erklärt der Chirurg. Das eingebrachte Fettgewebe überlebt nur zu 40 bis 60 Prozent. "Innerhalb der ersten drei Monate wird ein entsprechend größerer Teil vom Körper wieder abgebaut. Was danach bleibt, bleibt dauerhaft."

Um zusätzlich an der Form etwas zu ändern, müsse man jedoch zum einen so genannte Bindegewebsbänder unter der Haut durchtrennen und zum anderen gezielt Regionen um das Gesäß (Rücken/Flanken/Oberschenkel) absaugen. "Eine massive Formgebung wie zum Beispiel durch Silikonimplantate oder durch eine Straffung ist jedoch nicht so einfach möglich, deswegen kombinieren Operateure diese Eingriffe gelegentlich. Bei sehr stark hängender Haut ist oft nur eine Gesäßstraffung mit langer Schnittführung möglich."

Sitzen verboten!

Immer wieder werde er von Patientinnen auch gefragt, was sie tun können um das Ergebnis positiv zu beeinflussen. "Wichtig ist hier eine strenge Vermeidung von Kompression! Sitzen ist für gute vier bis sechs Wochen zu vermeiden. Es können spezielle Sitzkissen verwendet werden. Der enorme Druck vermindert die Durchblutung des eingebrachten Fettgewebes und die Zellen sterben ab."

"Sitzen ist für gute vier bis sechs Wochen zu vermeiden."

Dadurch könne es zu unschönen Veränderungen der Form, aber auch zu weitern Komplikationen kommen. "Das ist für Patientinnen oft schwierig einzuhalten. Bei Brustvergrößerungen mit Eigenfett ist es leicht auf Kompression zu verzichten aber bei dem Gesäß sollte das gut geplant werden und gegebenenfalls die Arbeitsumgebung angepasst werden."

Todesrate 1:3000

Ganz ungefährlich ist der Eingriff jedoch nicht, wie auch Lutfi zugibt: "Laut einer Statistik liegt die Todesrate bei 1:3000. Was enorm hoch ist! In 95 Prozent der Fälle handelte es sich um eine sogenannte Fettembolie: das Eintreten von Fettgewebe in das große Venensystem unter der Gesäßmuskulatur und damit die Ausbildung einer Fettembolie. Dieses Fett wandert dann bis in die Lunge und kann im Gegensatz zu einer normalen Blut-Embolie nicht aufgelöst werden."

Aber auch dafür hat man eine Lösung gefunden: Um das Risiko einer Fettembolie zu vermeiden, wird heutzutage streng darauf geachtet, dass das Fett oberhalb des Muskels eingebracht wird. Anders als viele große Muskeln im Körper habe der große Gesäßmuskel "M. glutaeus major" keine schützende Faszienschicht und das Fett könne durch die Muskulatur nicht in die darunter liegenden Blutgefäße gelangen.

Kein neues Kleidungsstücks das man nach der Saison vielleicht wieder in den Schrank legt!

Doch was, wenn der Trend irgendwann vorbei ist? "Diese Operation ist zum Teil reversibel, das bedeutet, das eingebrachte Fett kann wieder abgesaugt werden und somit die Kontur wieder angepasst. Allerdings ist es schwierig völlig leer gesaugt Regionen wieder aufzufüllen, wenn nicht ausreichend Fett vorhanden ist."

Deshalb eruiere man mit jeder Patientin im Vorfeld folgende fünf Punkte:

1. Ist die Wunschvorstellung realistisch erreichbar?
2. Ist durch die Veränderung noch ein natürliches Erscheinungsbild möglich?
3. Besteht der Wunsch schon länger oder handelt es sich um einen kurzfristigen Trend?
4. Ist es der Wunsch der PatientInn oder des Partners/Partnerin?
5. Sind alle möglichen Folgen und Auswirkungen des Eingriffes verstanden worden?

"Die Auswirkung auf den Körper können dauerhaft sein, weswegen wir uns auch bei der Beratung sehr viel Zeit nehmen. Es handelt sich hierbei nicht um den Kauf eines neuen Kleidungsstücks das man nach der Saison vielleicht wieder in den Schrank legt!", betont Dr. Dani Lutfi.

Übrigens kostet ein Brazilian Butt Lift 6.500 Euro aufwärts. Dabei kann es zu zusätzlichen Kosten je nach abzusaugender Region und entsprechender postoperativer Kompressionswäsche kommen. Wenn wenig Fett vorhanden ist, kann es notwendig sein, dass man an mehreren Regionen absaugt, die Operationszeit wird damit verlängert und der Preis steigt.

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