"Breaking Bad" im Weinviertel – Drogenköche vor Gericht

Das ausgehobene Drogenlabor, der flüchtige Täter.
Das ausgehobene Drogenlabor, der flüchtige Täter.LPD NÖ
In Walterskirchen (NÖ) wurde im März ein riesiges Drogenlabor in einem alten Weinkeller ausgehoben. Zwei der drei Täter bekamen jetzt ihr Urteil.

Ein Hauch von Hollywood wehte am Dienstag durchs Landesgericht Korneuburg (NÖ): Nicolas R., Laurin Z. und Marcus R. (29, 30, 35) sollen in einem extra angekauften Weinkeller in Walterskirchen im Bezirk Mistelbach (NÖ) von Herbst 2020 bis Februar 2021 fast fünf Kilo Mephedron (4-MMC) produziert und im Darkweb weltweit nach Abnehmern gesucht haben. Der Bevölkerung kam das schräge Trio jedoch suspekt vor  – im März und April diesen Jahres kam es zu spektakulären Polizei-Aktionen, "Heute" berichtete. Mit den gefundenen Chemikalien hätten bis zu 100 Kilo an Drogen produziert werden können.

Chemiker auf der Flucht

Während der 29-jährige studierte Chemiker noch gesucht wird, standen die anderen mutmaßlichen Täter am Dienstag vor dem Richter. Gemeinsam soll das Trio sich nach anfänglichen Testversuchen mit den Drogen Amphetamin/Methamphetamin, MDMA und synthetischem Cocain auf "Meph" (in der Szene unter Bubbles, MMC Hammer, oder Meow bekannt - nicht zu verwechseln mit "Meth"; Mephedron wurde im Internet teils als Badesalz vertrieben, Anm.) spezialisiert haben – mit "Erfolg": Die wie in der berühmten Fernseh-Serie in Ganzkörperanzügen und Gasmasken gemischten Drogen hatten einen Reinheitsgehalt von 99,3 Prozent. 

Die benötigten Zutaten und Geräte bestellten sie über gefinkelte Zustellwege bei Firmen in Deutschland und China. Dabei soll der Arbeitsplatz des 35-jährigen Bruders des Flüchtigen (Verteidigung Thomas Nirk) eine entscheidende Rolle gespielt haben. Der Stadt-Angestellte R. soll Daten über leerstehende Wohnungen von Wiener Wohnen weitergegeben haben – dorthin sollen Pakete geliefert worden sein. Außerdem sollen über Job-Portale auch Studenten angeworben worden sein, die Lieferungen annahmen und weitergaben.

Drogen im Wert von 5 Millionen Euro

Kiloweise "Stoff" versendeten sie ebenso filmreif nach Neuseeland (!): 3.000 Gramm vom pulverförmigen 4-MMC wurde durch chemische Prozesse verflüssigt und in bedruckte Getränkedosen gefüllt. Mittels Paketdiensten gingen die als Getränkedosen getarnten Drogen dann Richtung Australien. Bei den Durchsuchungen im Labor und in mehreren Wohnungen in Wien konnten schlussendlich 500 bis 600 Kilogramm Drogenausgangsstoffe, Lösungsmittel, technisches Equipment und Chemikalien sichergestellt werden. Damit hätten Drogen im Wert von rund fünf Millionen Euro hergestellt werden können. 

Urteil: Haftstrafen für Duo, Haupttäter flüchtig

Die beiden Angeklagten fassten Haftstrafen im Ausmaß von zwei Jahren unbedingt bzw. 18 teilbedingt Monaten aus. Nach dem dritten Täter wird weiterhin gefahndet. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

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