Politik

Briefwähler sollen 68 Cent zahlen

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:18

Neue Briefwahl-Posse: Auf den Wahlkarten sind Name, Anschrift und Geburtsdatum für jedermann zu sehen. Besorgten Wählern rät die Ministeriums-Hotline zu einem Zusatz-Kuvert plus Briefmarke.

Die unendliche Geschichte um die Briefwahl ist um ein skurriles Kapitel reicher. Denn: Die jetzt wieder verwendeten, alten Wahlkarten- Kuverts bieten keine Möglichkeit mehr, den Personendaten- Abschnitt auf der Rückseite zu verbergen. Hintergrund: Die breite Lasche der Kuverts aus dem ersten Wahlgang und der ersten Stichwahl fehlt. Damit bleiben Name, Anschrift und Geburtsdatum frei sichtbar.

"Ich empfinde diese Form der Stimmabgabe als unzumutbar", so "Heute"-Leserin Alexandra H. Kriminelle hätten leichtes Spiel, da sie davon ausgehen könnten, dass die betreffende Person am Wahltag nicht daheim ist. "Ich persönlich überlege, aus diesem Grund mein Wahlrecht nicht in Anspruch zu nehmen", sagt H. im "Heute"-Gespräch. Sie habe sich, wie mehrere andere Briefwähler auch, im Callcenter des Innenministeriums beschwert.

Die Antwort dort: "Sieht eh nur der Postler." Wer seine Daten nicht auf diesem Weg hergeben wolle, müsse seine Wahlkarte nicht nur im mitgeschickten Kuvert versenden. Man solle dieses noch in ein Blanko-Kuvert stecken, richtig adressieren und mit Marke um 68 Cent ausreichend frankieren.

Das sei gesetzlich so vorgesehen, heißt es im Innenministerium. Name und Anschrift seien außerdem auf jedem Poststück ersichtlich. Im Callcenter sind übrigens bereits mehr als 3.000 Anrufe eingelangt. Wie viele davon die nicht anonymisierten Kuverts betrafen, ist nicht bekannt.

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