Coronavirus

Brisant – so werden Corona-Tote wirklich gezählt

Tausende Corona-Tote in Österreich wurden nun "nachgemeldet". Das lässt die Diskussion um "mit" oder "an" Corona gestorben wieder aufflammen.

Rene Findenig
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Eine Nachmeldung von 3.412 Corona-Toten in Österreich beschäftigt weiter auch die Virus-Experten.
Eine Nachmeldung von 3.412 Corona-Toten in Österreich beschäftigt weiter auch die Virus-Experten.
Utrecht, Robin / Action Press / picturedesk.com

Am Dienstagnachmittag musste das Gesundheitsministerium 3.412 Corona-Todesfälle in Österreich nachmelden, die Gesamtzahl der Corona-Toten im Land erhöhte sich damit auf einen Schlag drastisch von 16.439 auf 19.851 Corona-Todesfälle seit Beginn der Pandemie. Der Anstieg komme "durch einen Datenabgleich zwischen der Todesursachenstatistik der Statistik Austria und dem Epidemiologischen Meldesystem (EMS) zustande", hieß es vom Gesundheitsministerium. Später wurden die zahlen erneut korrigiert, dann war wiederum von 3.075 "neuen alten" Todesfällen die Rede.

Auf einen Schlag Hunderte Tote mehr

Der Wirbel war groß, unter anderem attackierte die SPÖ Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) massiv – "ein weiterer Beleg für das vollkommene Versagen der Bundesregierung im Pandemiemanagement", hieß es. Wie Hunderte Tote entweder einfach vergessen werden konnten oder warum sie nun an einem Tag plötzlich in der Statistik auftauchen, erklärte am Mittwochabend der Statistiker Erich Neuwirth in der ORF-"ZiB 2". "Wie es passieren kann, versteh ich nicht wirklich", gestand der Statistiker, ein "schweres Versagen des Managements". 

Erklärbar sei es vielleicht damit, so Neuwirth: Nach der Vorgabe des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) zähle ein Verstorbener als Corona-Toter, wenn ein positiver Fall vorliege, der Betroffene Symptome aufweise und der positiv Getestete innerhalb von vier Wochen versterbe, ohne zuvor einen Genesenen-Status bekommen zu haben. Dabei könne es vorgekommen sein, dass man sich hierzulande nicht strikt an die Definition gehalten und nun nachkorrigiert habe.

"An" oder "mit" Corona verstorben?

Ein möglicherweise anderer Grund für die Nachmeldungen laut Neuwirth: Jemand sterbe zuhause und es werde kein Test gemacht. Dann würde man nach 21 Tagen nach einer vorhandenen Infektion automatisch auf "gesund" gestellt werden – obwohl sich später herausstellen könnte, dass der Betroffene am Virus verstorben sei. "Eine heikle Frage" sei, ob jemand "an oder mit Corona" verstorben sei, deswegen gebe es eine "scharfe Definition der ECDC", so der Experte, aber auch diese unterscheide nicht zwischen "an und mit".  

"Wenn jemand mit einer Embolie ins Spital kommt, und dann dran stirbt, war jetzt Covid der Auslöser oder nicht? Man müsste sich vor allem dann auch die Übersterblichkeit ansehen", so Neuwirth. Die Übersterblichkeit werde "jetzt wahrscheinlich noch höher werden", so der Experte, "dafür wird es aber weniger Tote mit anderen Todesursachen geben". Es habe sich gezeigt, dass Österreich in der Pandemie auch ohne Corona-Todeszahlen merkbar höhere Sterberaten zeigte, als in Vor-Corona-Zeiten, so Neuwirth.

Noch mehr Corona-Tote als vermutet

Nun würden sich die Todeszahlen wieder hin zu Covid- und Grippe-freien Jahren bewegen, sagte der Statistiker. Das bedeute: Noch viel mehr Todesfälle seien eigentlich Corona zuzuschreiben. "Auf jeden Fall werden die Todesfallzahlen, wo die Todesursache nicht Covid ist, sinken", so Neuwirth. 

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    Köhler,Ralph / Action Press / picturedesk.com