Ukraine

Britischer Ex-Oberst (72) will für die Ukraine kämpfen

Ian Cunningham ist 72 – und will nun in der Ukraine seine Erfahrung als  Offizier einbringen. Seine Familie glaubt an eine Geschäftsreise.
20 Minuten
07.03.2022, 14:36

Für den freiwilligen Kampf gegen die russischen Invasoren haben sich bereits zahlreiche Ausländer gemeldet: Nach Angaben von Außenminister Dmytro Kuleba haben sich bereits mehr als 20.000 Freiwillige aus 52 Ländern eingeschrieben. Sie würden in einer neu geschaffenen internationalen Legion dienen. Wie viele der ausländischen Freiwilligen bereits in der Ukraine eingetroffen sind, sagte er nicht.

"Die ganze Welt ist heute auf der Seite der Ukraine, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten", so Kuleba am Sonntagabend im ukrainischen Fernsehen. Die Herkunftsländer der Freiwilligen nannte er nicht – manche von ihnen erlaubten ihren Bürgern nicht, für andere Staaten zu kämpfen, sagte der Minister.

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Per Taxi in die Ukraine

Einer der wohl erfahrensten Kombattanten – und bisher der älteste – ist der britische Ex-Oberst Ian Cunningham. Er diente in den britischen Coldstream Guards und befehligte früher in Nordirland eine Kompanie sowie das 1st Wessex Infantry Regiment. Als Cunningham, der heute in Südfrankreich lebt, vom russischen Angriff auf die Ukraine hörte, zögerte er nicht lange und flog nach Polen, um von dort per Taxi in die Ukraine weiterzureisen, wie "The Spectator" berichtet. Seine Familie ließ er im Glauben, er gehe auf eine Geschäftsreise.

Cunningham, der als bisher ältester ausländischer Kämpfer in der Ukraine gilt, wird allerdings wohl nicht an die Front beordert, sondern rechnet damit, eine Aufgabe im Hauptquartier zu erhalten, etwa, um dringend benötigte Waffen zu beschaffen. Da er in seiner Karriere auch mit dem britischen Generalstab arbeitete, wisse er, «an welche Türen er klopfen müsse», wie er sagt. Nach seiner Einschreibung in die internationale Brigade freundete sich Cunningham bereits mit dem zweitältesten Mitglied an, dem polnischen Ex-Oberst und Fallschirmjäger Martin Podpora. "Großer Mann, erhielt eine Auszeichnung für seine Teilnahme am Krieg in Jugoslawien", so Cunningham.

Linienpilot will "Russen vom Himmel holen"

Der Ex-Oberst berichtet auch von einem finnischen Piloten, der für TUI Jumbo-Jets und Airbus A-380 flog und ein Mig-Kampfflugzeug fliegen will. "Er sagte: Gebt mir eine halbe Stunde in einem Simulator und ich werde diese verf****en Russen vom Himmel holen."

Wie Cunningham weiter angibt, seien die meisten Freiwiligen in ihren 20ern. Der Plan der Ukraine sei, dass die internationale Brigade auf "150, ich wiederhole: 150" Infanteriebataillone anwachse, was 100.000 Kämpfern entspreche. Auch wenn dieses Ziel unrealistisch erscheine, so der "Spectator", zeige die Realität, dass die Ukraine die Brigade nicht bloß zu PR-Zwecken ins Leben rief. Für pensionierte Soldaten wie Cunningham sei die Brigade "ein unerwartetes Geschenk" und ermögliche ihnen "ein letztes Abenteuer".