Bruckner: "Höre mit Mär auf, dass Rapid kein Geld hat"

Rapid-Boss Martin Bruckner im "Heute"-Gespräch.
Rapid-Boss Martin Bruckner im "Heute"-Gespräch.gepa-pictures.com
Rapid-Präsident Martin Bruckner zieht im "Heute"-Interview Bilanz. Er spricht über das 2:7 gegen Salzburg, das Sexismus-Plakat und die Sponsoren.

"Heute": Herr Bruckner, Ihre erste Saison als Rapid-Präsident endete mit Rang zwei. Zufrieden?

Martin Bruckner: "Das nehme ich mit Handkuss, vor allem, wenn man bedenkt, dass wir von 30 Spielern zehn Verletzte hatten. Aber unsere Jungen, die Young Guns, haben die Ausfälle gut kompensiert."

Coach Didi Kühbauer meinte in Anbetracht der Salzburger Überlegenheit sogar, Rapid wäre der heimliche Meister …

"Der sind wir ganz sicher nicht. Aber mit unseren Möglichkeiten ist es ein sehr gutes Ergebnis."

Rapid hat das zweithöchste Budget, den zweitteuersten Kader, die meisten Fans – müsste da Platz zwei nicht das Mindestziel sein?

"Wir wollen so weit vorne sein wie möglich. Ziel sind die Top 3."

Kapitän Schwab sagte, das Spiel war nicht immer schön anzusehen. Tatsächlich spiele Rapid oft und sogar daheim auf Konter …

"Unser Anspruch ist attraktiver Fußball. Aber nicht vergessen: Wir hatten Ausfälle, und die Liga ist nicht zu unterschätzen. Aber man kann uns sicher nicht vorwerfen, nicht offensiv zu spielen."

2:7 gegen Salzburg – die höchste Pleite in der Rapid-Geschichte wurde intern kaum thematisiert. Ist so ein Ergebnis normal?

"Nein, das war nicht schön, aber wenn jeden dritten Tag gespielt wird, hat man nicht viel Zeit zu reflektieren. Da geht es schnell weiter."

Klub-Ikone Gustl Starek hat nach dem frauenfeindlichen Plakat im Block West die Mitgliedschaft gekündigt …

"Auch das ist absolut nicht schön."

Ihn störte vor allem die erste verharmlosende Reaktion der Geschäftsführung darauf.

"Das Interview von Christoph Peschek war missverständlich formuliert. Meinungsfreiheit kann man nicht mit Sexismus in einen Topf werfen. Er hat sich dafür entschuldigt. Jeder Mensch hat ein Recht auf Fehler. Klar ist: Der Verein wollte dieses Transparent nicht, lehnt es ab. Es wurde auch entfernt."

Warum nicht gleich?

"Es war kein normales Fußballspiel. Es waren von uns nicht genug Leute im Stadion, ich nicht, aufgrund der Corona-Sicherheitsbestimmungen auch keine Fanbeauftragten. Als es dann Thema wurde, haben wir gesagt: 'Nehmt es runter! Nein? Gut, dann machen wir es eben.'"

Sponsoren drohen mit Rückzug …

"Wir sind mit allen im intensiven Austausch. Wir nehmen das Thema ernst, tragen es tief in die Fanszene hinein. Ich kann mich nur noch einmal entschuldigen. Auch Christoph, Didi Kühbauer und Zoki Barisic haben dann sofort gesagt: Das steht nicht für die Werte des Klubs."

Stichwort Geld: Muss Rapid im Sommer Spieler verkaufen, um finanziell überleben zu können?

"Da möchte ich mit einer Mär aufhören: Ohne Corona hätten wir die Saison fix mit einem Gewinn abgeschlossen. Geisterspiele und Veranstaltungsverbot trafen uns hart. Wenn dieser Einnahmenentgang ersetzt wird, müssen wir keine Spieler verkaufen, um zu überleben. Sonst gilt: Wenn ein gutes Angebot vorliegt und wenn es für alle Seiten passt, dann kann ein Spieler gehen. Wir haben einen guten Nachwuchs, dem musst du auch eine Chance geben. Das Beispiel Mert Müldür zeigt, dass der Weg bei Rapid bis in die Serie A führen kann."

Rapid fehlen die Zuschauereinnahmen, rund sechs Millionen Euro – gibt es Corona-Hilfe vom Staat?

"Wir sind in guten Gesprächen mit der Politik. Es soll Kompensationszahlungen geben, die unsere Einnahmeverluste ausgleichen. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere ist die Frage: Wann dürfen wieder Zuschauer ins Stadion? Tatsächlich wird es existenzbedrohend, wenn es weiter ohne Fans und ohne Hilfe der Politik geht."

Interview: Klaus Pfeiffer

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