Bub (8) pinkelt in Islam-Schule – nun droht Todesstrafe

Der Hindu-Tempel in Bhong wurde nach der Attacke durch eine aufgebrachte Menschenmenge behördlich abgeriegelt.
Der Hindu-Tempel in Bhong wurde nach der Attacke durch eine aufgebrachte Menschenmenge behördlich abgeriegelt.AP / picturedesk.com
Der acht Jahre alte Schüler soll absichtlich auf den Teppich einer muslimischen Bibliothek uriniert haben. Darauf droht in Pakistan die Todesstrafe.

Eine schwache Blase, oder doch Blasphemie? Die Behörden im Osten Pakistans glauben fest an Letzteres und haben nun einen 8-jährigen Hindu in der Kleinstadt Bhong in Polizeigewahrsam genommen. Er soll Gotteslästerung begangen haben, als er im Juni mutmaßlich absichtlich in einer Islam-Schule auf den Teppich der Bibliothek urinierte.

Diese vermeintliche Schändung eines religiösen Ortes durch den kleinen Buben hatte laut Berichten des "Guardian" schlimme Folgen. Als er auf Kaution vorübergehend auf freien Fuß gesetzt wurde, startete eine aufgebrachte Menge von Muslimen einen Brandanschlag auf einen örtlichen Hindu-Tempel.

Am Samstag wurden von der Polizei 20 Verdächtige im Zusammenhang mit der Attacke festgenommen. Selbst das Militär musste in der Region eingreifen, um weitere Ausschreitungen zu verhindern.

Angst

Die Hindus in dem konservativen Bezirk sind nach dieser Eskalation der Gewalt zutiefst erschüttert, viele sollen aus ihren Häusern geflohen sein. "Wir haben unsere Geschäfte und Arbeit verlassen, die gesamte Gemeinschaft ist verängstigt und fürchtet weitere Vergeltungsmaßnahmen. Wir wollen nicht mehr hierher zurück", schildert ein Familienmitglied des Buben der Zeitung. Sie haben die Hoffnung aufgegeben, dass die Behörden ernsthafte Maßnahmen zum Schutz der religiösen Minderheiten tätigen werden.

Und das alles, weil es ein Kind nicht mehr auf die Toilette schaffte. "Er ist sich der Blasphemie-Vorwürfe gar nicht bewusst und wird fälschlicherweise beschuldigt. Er versteht nicht, was er falsch gemacht hat, oder warum er für eine Woche eingesperrt wurde", so der Angehörige weiter.

Todesstrafe

Auch Rechtsexperten sind davon geschockt, denn noch nie wurde ein so junges Kind wegen Gotteslästerung angeklagt. Im schlimmsten Fall droht dem 8-Jährigen dadurch die Todesstrafe, diese kann seit 1986 auch bei einer Verurteilung wegen Blasphemie verhängt werden. Ein Glück für die Familie: Wie der "Guardian" hervorhebt, wurde diese seit ihrer Einführung noch kein einziges Mal offiziell vollstreckt.

Trotzdem müssen die Angehörigen weiter um das Leben des Buben fürchten. Obwohl die Höchststrafe unwahrscheinlich erscheint, kommt es in Pakistan immer wieder zu Lynchjustiz. Beschuldigte werden immer wieder von andersgläubigen Mobs attackiert – und manchmal auch getötet.

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