Der Vorfall in einer Kindergruppe in der Donaustadt sorgte für helle Aufregung. Wie berichtet, hatte eine Passantin beobachtet, wie eine Pädagogin des Kindergartens ein nacktes Kind bei sieben Grad Außentemperatur im Freien "duschte" und es anschließend mit einem Waschlappen abtrocknete.
Nach dem "Heute"-Bericht entsandte die Stadt zwei Inspektoren in den privaten Kindergarten und leitete ein Ermittlungsverfahrenein. Die Betreuerin wurde mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt, der Betreuer des Kindergartens, der Verein Großes Schiff wurde zu dem Vorfall befragt.
Dieser gab an, dass die Betreuerin über jahrzehntelange Erfahrung verfügt und in dem Verein viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet habe. Wie sich die Betreuerin dazu entschließen konnte, das Kind im Garten zu reinigen, sei auch für den Betreiber nicht nachvollziehbar. Die Betreuerin der Kindergruppe hat in ihrer Stellungnahme erklärt, dass der fünfjährige Bub zuvor seinen Stuhl nicht halten konnte, und Kind, Kleidung und Räumlichkeiten stark verunreinigt waren.
Sie gibt an, dass sie das Kind daraufhin eine Minute im Freien mit einem warmen Waschlappen vom Stuhl befreit habe und das Kind anschließend in der Kindergruppe abgetrocknet, aufgewärmt, mit frischer Kleidung versorgt und die Eltern informiert habe. Bei der zuständigen MA11 ging aber nie eine Meldung ein, diese erfuhr erst durch "Heute" davon.
Wie das Büro von Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (Neos) am Donnerstag in einer Aussendung bekanntgab, betonte der Trägerverein dass "diese diese Vorgehensweise nicht dem Standard ihrer Betreuungseinrichtungen entspricht" und der Fall zum Anlass genommen wird, nochmals mit allen Betreuerinnen und Betreuern zu sprechen, um die entsprechenden Vorgaben zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte der Kinder festzuhalten.
Auch die Wiener Kinder- und Jugendhilfe toleriere derartige Vorfälle nicht, wird betont: Die Stadt verweist auf das eingeleitete Ermittlungsverfahren, das im Wesentlichen zwei Fragen klären soll: Was ist genau passiert und welche Konsequenzen sind erforderlich, damit sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholt.
Als erste Konsequenz seitens der Wiener Kinder- und Jugendhilfe wurde dem Verein verpflichtend eine Ausarbeitung eines Konzepts auferlegt, das derartige Vorfälle zukünftig verhindern soll. "Konkret muss sich der Betreiber überlegen, was braucht seine Einrichtung an pädagogischen sowie räumlichen Voraussetzungen, um den Kindern eine durchgängige hochqualitative Betreuung zu ermöglichen", heißt es seitens der Stadt.