Ist das die älteste Sage der Menschheit?

Der Krater des Budj Bim. Illustration aus den 1860er-Jahren
Der Krater des Budj Bim. Illustration aus den 1860er-JahrenBild: Wikimedia/Eugene von Guerard, gemeinfrei

Forscher wollen einen Hinweis gefunden haben, dass der Schöpfungsmythos der Gunditjmara-Aborigines die älteste, mündlich überlieferte Sage der gesamten Menschheit ist.

Vor langer Zeit wandelten vier riesige Wesen über das Land im Süden Australiens. Drei von ihnen zogen weiter in andere Teile des Kontinents, doch einer von ihnen kauerte sich an einem Platz zusammen. Sein Körper verwandelte sich in einen Vulkan namens Budj Bim und seine Zähne wurden zu der Lava, die der Feuerberg ausspuckte.

Das ist, in Kurzform, die Schöpfungsmythos des Aborigine-Stammes der Gunditjmara. Wie Forscher in einer neuen Studie enthüllten, sind der Budj Bim und ein Vulkan in der Nähe erst vor rund 37.000 Jahren durch eine Serie von Eruptionen entstanden. Die Legende der Ureinwohner könnte also auf einem realen Ereignis basieren und wäre damit die älteste Überlieferung der Menschheit, die bis heute erzählt wird.

"Es ist eine interessante Vorstellung, dass diese Traditionen womöglich zehntausende Jahre in die Vergangenheit reichen", kommentiert Archäologe Sean Ulm von der James Cook University in Queensland die Überlegung der Studienautoren gegenüber "Science.com". Gleichzeitig warnt Ulm aber vor voreiligen Schlüssen, da bisher keine andere auch nur annähernd ähnlich lang mündlich überlieferte Geschichte bekannt ist.

Unesco-Weltkulturerbe

Seit wann die indigenen Gunditjmara schon im Südwesten des heutigen Victoria ihre Heimat haben, ist unklar. Klar ist aber, dass sie das fruchtbare Gebiet um den längst erloschenen Vulkan Budj Bim – dessen Name übersetzt etwa "Hoher Kopf" bedeutet – schon lange bewohnen. Die ältesten Funde menschlicher Siedlungen gehen rund 13.000 Jahre zurück. Die Aborigines gelten auch als Schaffer eines der ältesten Bewässerungssysteme der Welt.

Über rund einhundert Quadratkilometer erstreckt sich das von ihnen vor 6.600 Jahren errichtete Netzwerk aus Kanälen, Dämmen und Wehren, das mittlerweile auch von der Unesco zum Weltkulturerbe erhoben wurde. Die Landschaft des Budj Bim beherbergt auch eines der frühsten Beispiele von Aquakulturen.

Die Gunditjmara stellten systematisch aus Vulkansteinen aufgeschichtete Fallen auf, um die im Wasser lebenden Aale zu fangen. Durch cleveres Design wurden die Fische dabei sogar gleich nach ihrer Größe sortiert. Die Existenz dieser frühen Reusen trug dazu bei, den Mythos, dass Aborigines vorrangig als Nomaden durchs Land zogen, zu entkräften.

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