Behörde bittet online, Mitbürger zu denunzieren

In der Rathaus-Post werden normalerweise Neuigkeiten mitgeteilt
In der Rathaus-Post werden normalerweise Neuigkeiten mitgeteiltSymbolbild / Screenshot Facebook
Ein Post des Bad Vöslauer Rathauses sorgt für Ärger. Scheinbar ruft eine öffentliche Stelle dazu auf, Mitbürger wegen Corona-Vergehen zu verpetzen.

Die 7-Tage Inzidenz von Bad Vöslau beträgt momentan nach Angaben der Gemeinde rund 400 Neuinfektionen, auch der ganze Bezirk nähert sich dieser Zahl. Nun zittert der Bezirk Baden wegen einer möglichen Abriegelung – bei einem Inzidenzwert von über 400 droht dem Bezirk dasselbe Schicksal wie Wiener Neustadt. 

Die Angst vor einer solchen Maßnahme scheint groß zu sein. So groß, dass auf Social Media vom Bad Vöslauer Rathaus mit der Unterschrift der Bürgermeisters dazu aufgerufen wurde, Mitbürger bei der Polizei zu vernadern: "Es wird ersucht, Verdachtsmomente über unerlaubte Zusammenkünfte der Behörde (Bezirkshauptmannschaft) bekanntzugeben", wurde hier geschrieben. Der Ärger über diese Aufforderung war groß. 

"Um die Pandemie zu besiegen, müssen wir alle zusammenarbeiten!"

Nur fünf Stunden später wurde auf der selben Seite eine Stellungnahme publiziert, wirklich zurückgenommen wurde die Bitte aber nicht. Die Bezirkshauptmannschaft Baden habe den Text formuliert, man habe ihn übernommen und scheinbar einfach den Namen des Bad Vöslauer Bürgermeister daruntergesetzt. Die Bevölkerung des Bezirks sei "in einer aufrüttelnden Formulierung zur Zusammenarbeit aufgerufen" worden. Obwohl Bürgermeister Prinz (diesmal wirklich selber) schreibt: "Denunziantentum ist abzulehnen!" wurde der Aufruf nicht zurückgezogen. 

"Es geht nicht darum, Nachbarn zu vernadern"

Im Gespräch mit "Heute" sagt Bürgermeister Christoph Prinz: "Der Text kam von der Gesundheitsbehörde. Ich habe ihn selber gepostet, deswegen steht auch mein Name darunter. Das Schriftstück kam von der Behörde, also nehme ich es als gegeben." Gegenüber den Bürgern appelliert er an die Vernunft. Prinz erzählt, selber von Fällen zu wissen, bei denen Betreiber von kleinen Geschäften mit Take-Away-Angeboten Probleme damit hätten, die Kunden zur Einhaltung der Covid-19-Schutzmaßnahmen zu bewegen.

In so einem Fall solle man die Gesundheitsbehörde verständigen, diese entscheide dann für jeden Fall, ob ein Polizeieinsatz notwendig sei. "Es geht hier nicht darum, seinen Nachbarn zu vernadern. In so einem Fall helfen gesunder Hausverstand und ein freundlicher Hinweis mehr", betont der Bürgermeister. 

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