Bundesheer rechnet mit 800-prozentiger Rendite

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) erklärt den Nutzen des Bundesheeres.
Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) erklärt den Nutzen des Bundesheeres.Bild: Helmut Graf

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SP) erläutert wie das Bundesheer aus 2,7 Mrd. Euro Budget 19 Mrd. Euro an gesellschaftlichen Nutzen erzielt.

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SP) veröffentliche am Dienstag, zusammen mit dem Leiter der Forschungsarbeit Ronald Scheucher, eine neue Studie zum gesellschaftlichen Nutzen des Bundesheers.

Derartige Studien zum finanziellen Nutzen von staatlichen Teilbereichen seien im internationalen Kontext keine Seltenheit, erklärt Scheucher. In Österreich betrete man mit der Anfertigung der Studie allerdings wissenschaftliches Neuland.

Das Ergebnis der Studie hat es jedenfalls in sich: Scheucher's Team errechnete für das österreichische Bundesheer eine Rendite von annähernd 800 Prozent! Verteidigungsminister Doskozil sieht darin eine Bestätigung bisheriger Bemühungen.

So kommt die Studie zu ihrem Ergebnis

Die Methodik der Studie beruft sich auf Kosten-Nutzen-Analysen aus der Volkswirtschaftslehre. Grundsätzlich zeige sich der Nutzen des Bundesheeres an drei Indikatoren.

Nicht militärische Leistungen

Assistenz und Unterstützungsleistungen des Bundesheers bilden den ersten Analyseblock der Auftragsstudie. In diesem Teil gehe es darum beispielsweise Katastrophenhilfen und Rettungseinsätze mit finanziellen Werten zu versehen. Dabei wird unter Berücksichtigung aktueller Marktpreise errechnet, wie viel derartige Dienste kosten würden, wenn sie von privaten Organisationsformen übernommen werden würden. Erstes Teilergebnis der Studie: Alleine in diesem Bereich lukriere das Bundesheer einen gesellschaftlichen Nutzen von 840 Mio. Euro.

Nachfrage und Investitionen

Ein weiterer Teilbereich befasst sich mit den Auswirkungen des Verteidigungsbudgets auf öffentliche Nachfrage und Investitionen. Hier versuchte sich Doskozil als effektiver Arbeitgeber zu positionieren, dem es trotz knappen Budgets gelinge 37.000 Vollzeitbeschäftigte zu unterhalten. In diesen Teil der Berechnungen wurden auch weitere Wertschöpfungseffekte (3 Mrd. Euro), Outputeffekte (7,3 Mrd. Euro) und Einkommenseffekte (1,8 Mrd. Euro) eingerechnet. Auch in diesen Bereichen erziele das Bundesheer herausragende Werte für die österreichische Bevölkerung.

Sicherheitsleistungen

Der eigentliche Kernbereich des Bundesheers liege aber weiterhin in der Bereitstellung von Sicherheitsleistungen. Hier gelinge es dem Bundesheer, den größten Nutzen für die österreichische Gesellschaft zu erzielen. Insgesamt wurde der mit 10,7 Mrd. Euro beziffert. Der Wert errechne sich beispielsweise aus den verhinderten Schäden aus Terror- oder Cyberattacken, die durch das Bundesheer mitunter bereits im Vorfeld verhindert werden können.

Verteidigungsminister Doskozil erklärte, dass alle drei Teilbereiche insgesamt einen gesellschaftlichen Nutzen in Höhe von 19 Mrd. Euro jährlich abwerfen würden.

Kritik

Journalisten äußerten nach Beendigung der Präsentation mehrere kritische Fragen in Richtung des Studienautoren und des Verteidigungsministeriums. So wurde beispielsweise die Sinnhaftigkeit einer Studie bezweifelt, die zum gelieferten einmaligen Referenzwert keinerlei österreichische oder internationale Vergleichswerte bieten könne. Weiter wurde argumentiert, dass das Bildungsministerium eine ähnliche Studie in Auftrag geben könnte, die wohl noch höhere Renditenzahlen ausweisen würde.

Abschließend wurde noch die Überprüfbarkeit der erhobenen Daten bemängelt, da das Verteidigungsministerium unter Verweis auf nationale Sicherheitsbedenken keine genauen Zahlen – weder zu konkreten Wahrscheinlichkeiten noch zu möglichen Schäden von Terroranschlägen oder Ähnlichem – angeben wollte. (mat)

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