Politik

Bundeskanzler Kurz verteidigt "Ghettoklassen"

Heute Redaktion
13.09.2021, 21:51

Bei seinem Besuch einer Grazer Volksschule bezog Sebastian Kurz Stellung zu der Kritik an Deutschförderklassen. Es sei ein "gutes Modell", so der Bundeskanzler.

Geht es nach Bildungsminister Heinz Faßmann sollen Kinder ohne ausreichende Deutsch-Kenntnisse in Zukunft in separaten Klassen unterrichtet werden.

Kinder mit Sprachdefiziten werden den Großteil des Deutsch-Unterrichts außerhalb ihrer Stammklasse verbringen. Dabei wird nicht zwischen Kindern von Zuwanderern und von Österreichern unterschieden – wer der Sprache nicht ausreichend mächtig ist, muss eine der sogenannten Deutschförderklassen besuchen.

Während Kritiker bereits von regelrechten "Ghettoklassen" sprechen, zeigt sich der Bildungsminister äußerst zuversichtlich, dass das Modell funktionieren wird. Ab Herbst soll es bereits losgehen.

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Kurz gibt Bildungsminister Rückendeckung

Rückendeckung erhält Faßmann dabei auch von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Der ÖVP-Chef besuchte am Dienstag gemeinsam mit Vizekanzler Heinz-Christian Strache, Bildungsminister Heinz Faßmann und dem steirischen Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer eine Volksschule in Graz und unterstützt Faßmann bei seinem Plan. Er spricht von einem "guten Modell".

Das Modell solle laut Kurz einen Beitrag für mehr Integration leisten. Von "Ghettoklassen" nimmt der Bundeskanzler klar Abstand. "Ghettoisierung findet meiner Meinung nach vor allem dann statt, wenn jemand die deutsche Sprache nicht spricht, keinen Bildungsabschluss macht und keine Chance am Arbeitsmarkt hat. Insofern ist das Modell der Deutschförderklassen ein gutes", so Kurz gegenüber "ORF Steiermark".

Kritik "an Haaren herbeigezogen"

Neben Kurz spricht sich auch Vizekanzler Heinz-Christian Strache für die Deutschförderklassen aus. Mit dem viel kritisierten Begriff "Ghetoklassen" kann auch Strache nichts anfangen. "Natürlich ist es notwendig, jene Kinder, die Sprachdefizite haben, besonders zu betreuen und in Deutschklassen sicherzustellen, dass dieses Defizit rechtzeitig korrigiert wird. Was daran negativ sein soll - das ist schon sehr an den Haaren herbeigezogen", sagte Strache, der ebenfalls die Volksschule besucht hatte.

Das ist der Plan

Geplant sind 15 Wochenstunden Sprachunterricht nach eigenem Lehrplan in der Volksschule und 20 Wochenstunden bei älteren Schülern.

Gleichzeitig sollen die Kinder weiterhin Teil des normales Klassenbetriebs sein – werden aber nur für etwa ein Drittel der Zeit dort anwesend sein. (wil)

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