Mit Cloud-Services von der JKU bis an die Börse

Das Frankfurter Start-up "CCEX" will Speicher in einer Cloud zum standardisierten Rohstoff machen und über die Börsen vermarkten. Miteigentümer ist ein 38-jähriger JKU-Absolvent.

Eine 30-köpfige OÖ-Delegation rund um Energie AG-Generaldirektor Werner Steinecker begab sich auf den Datenhighway in die Main-Metropole, machte sich selbst vor Ort zwei Tage ein Bild von der unglaublichen Menge an Datendurchfluss.

"Das exponentielle Wachstum des Datenvolumens ist 1.000 Mal höher als vor zehn Jahren", weiß Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung in Frankfurt.

Neben dem Ausbau der digitalen Infrastruktur sollte für Schwebel vor allem die Start-up-Kultur weiter vorangetrieben werden.

Experte imCloud- und Standardisierungsbereich

Mit "CCEX Cloud Commodities Exchange Gmbh" ist ein Start-up mit Wurzeln aus Oberösterreich in Frankfurt erfolgreich. Denn Mitbegründer Johannes Watzl (38) kommt aus Aigen-Schlägl (Bez. Rohrbach). Der 38-Jährige gilt als Experte im Cloud- und Standardisierungsbereich.

Das Unternehmen mit Sitz im Frankfurter "TechQuartier" will mit Cloud Services das machen, was mit Öl und Strom bereits vor Jahrzehnten passiert ist. Konkret: Speicherplatz und Rechenleistung sollen in der Cloud wie Rohöl zum standardisierten Rohstoff gemacht und anschließend über die Börsen der Welt vermarktet werden.

"Wenn Unternehmen Cloud Services benötigen, sehen sie sich üblicherweise die Angebote einiger weniger großer Provider an. Dann entscheiden sie sich für einen davon. Dieser Prozess dauert in der Regel drei bis sechs Monate", so der Wiener Karl-Michael Molzer, einer der drei Miteigentümer von CCEX, zum aktuellen Stand am Cloud-Markt.

"Führen einen neuen Rohstoff ein."

"Wir führen einen neuen Rohstoff ein. Und zwar auf Basis von Rechenleistung und Speicherplatz, die von verschiedenen Anbietern in der Cloud zur Verfügung gestellt werden. Keine Firma kommt heutzutage ohne diese Rohstoffe aus. Wir haben dafür wertvolle Standards entwickelt, die wir an Börsen verkaufen, damit diese Rohstoffe in der Cloud gehandelt werden können.", so Watzl zu "Heute".

Der Cloud-Markt liegt momentan weltweit bei einem jährlichen Volumen von rund 170 Milliarden US-Dollar und wächst jährlich um bis zu 20 Prozent.

Die Grundvoraussetzung für den Börsenhandel ist also erfüllt: eine hohe Nachfrage. "Die nächste Voraussetzung ist eben eine Standardisierung. Das ist bei Öl in den 1970er-Jahren und bei Elektrizität in den 1990er-Jahren passiert. Für Cloud-Services arbeiten wir momentan daran", sagt Molzer.

Für die Umsetzung der Idee versuchen Watzl und seine Kollegen gerade die Finanzierung aufzustellen: Fünf Millionen Euro Budget sind laut Watzl so gut wie gesichert. Im Idealfall werden es zehn Millionen Euro.

An der JKU in Linz studiert

Doch wie verdient CCEX dann daran? "Über Lizenzgebühren der Börsen sowie über einen Anteil daran, was zwischen Ein- und Verkauf von Speicherplatz und Rechenleistung über die Börsen übrig bleibt", erklärt Watzl.

Es ist also noch jede Menge Arbeit. Trotzdem versucht der Oberösterreicher Watzl, der zunächst an der JKU in Linz technische Mathematik studierte und anschließend die Doktorarbeit in Informatik in München absolvierte, fast jedes Wochenende nach Hause zu kommen. "Es geht sich natürlich nicht immer aus. Aber ich bin immer wieder gerne zu Hause und besuche meine Mutter und meine beiden Geschwister", so Watzl zu "Heute".

Witziges Detail am Rande: Miteigentümer Molzer lernte der 38-Jährige übrigens bei einem Österreicher-Stammtisch in Frankfurt kennen.

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