Chef der Herzchirurgie an Grazer LKH suspendiert

In letzter Zeit häuften sich die Negativ-Schlagzeilen um die Herzchirurgie am LKH-Uniklinikum in Graz. Der Abteilungsleiter wurde nun dienstfrei gestellt.

Der Entschluss, dass der Chef der Herzchirurgie suspendiert wird, haben die Medizinische Universität Graz und die Steiermärkische Krankenanstaltengesellschaft (Kages) gemeinsam gefällt, wie es in einer Stellungnahme am Dienstag heißt.

"Die Leitung der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie am LKH-Universitätsklinikum Graz wird bis auf Weiteres supplierend von einem/einer der ProfessorInnen wahrgenommen. Ziel der dargestellten Maßnahmen ist es, das Vertrauen der PatientInnen und der Öffentlichkeit in die Klinische Abteilung für Herzchirurgie wieder zu stärken", so das Statement.

Letzte Woche schon wurde laut einem Bericht der "Kleinen Zeitung" beschlossen, dass Herztransplantationen vorläufig nicht mehr in Graz vorgenommen würden. Zehn Patienten wurden an andere Spitäler – in Wien und Innsbruck gibt es ebenfalls Transplantationszentren – verwiesen.

Die Abteilung am Grazer Uniklinikum steht seit einiger Zeit in Kritik, der öffentliche Druck wurde nach Bekanntwerden mehrerer Problemfälle immer größer. Kritisiert wurde seitens der Patientenanwaltschaft auch, dass am Grazer Spital zu wenige Herztransplantationen durchgeführt werden, was die Qualität einer Operation beeinträchtige.

Wie "Heute" berichtete, wurde einem 60-jährigen Patienten im Mai 2016 in Graz ein kaputtes Herz eingesetzt. Das Organ sei schon bei der Entnahme stark beschädigt worden, wurde dem Patienten dennoch eingesetzt. Er verstarb vier Tage nach der Operation.

Seine Witwe hat daraufhin ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. Der beauftragte Sachverständige stellte in seinem Gutachten vom Jänner 2018 "ein chirurgisch-technisches Problem, das nur mit mangelnder Fachkenntnis und Erfahrung sowie mangelnder Übung oder ungenügenden chirurgisch-technischen Fähigkeiten zu erklären ist", fest.

Erst kürzlich wurde ein weiterer Fall angezeigt: Ein Patient, der dringend eine Herz-OP erhalten sollte, wurde zum Zahnarzt geschickt. Er verstarb, bevor der Eingriff am Herzen durchgeführt werden konnte.

Auch jener Fall, über den "Heute.at" ausführlich berichtete, wurde an die Patienten-Ombudschaft übergeben. Graz hat sich angesichts der Probleme einer freiwilligen Überprüfung der gesamten Abteilung durch das Gesundheitsministerium gestellt.

(ek)

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