Chemie-Nobelpreis für in Wien geborenen Forscher

Der Chemie-Nobelpreis 2013 geht an den in Wien geborenen theoretischen US-Chemiker Martin Karplus sowie seine beiden US-Kollegen Michael Levitt und Arieh Warshel. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften Mittwoch in Stockholm bekannt.


Sie bekamen die Auszeichnung für die Grundlagen für Computermodelle, die zum Verständnis und zur Vorhersage chemischer Prozesse verwendet werden. Die Auszeichnung ist wie im Vorjahr mit acht Millionen Schwedischen Kronen (921.000 Euro) dotiert.

Der Preis wird am 10. Dezember, am Todestag des 1896 gestorbenen Preisstifters, verliehen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die beiden US-Wissenschafter Robert Lefkowitz und Brian Kobilka für die Erforschung wichtiger Kommunikationskanäle von Körperzellen.

"Grundlage für die meisten Fortschritte"

Chemische Prozesse laufen in Sekundenbruchteilen ab, die Methoden der klassischen Chemie können bei solch schnellen Abläufen kaum mithalten. Martin Karplus, Michael Levitt und Arieh Warshel schufen die Grundlagen für präzise Analysen chemischer Prozesse am Computer. Dafür war es notwendig, Newtons klassische Physik mit der Quantenphysik zu kombinieren. Damit schufen die Preisträger die Grundlage für die meisten Fortschritte in der modernen Chemie, heißt es in der Begründung.

Die Lage von Atomen und Ionen in chemischen Verbindungen konnte zwar bereits vor den Forschungen der Preisträger weitgehend modellhaft dargestellt werden. Wenn allerdings chemische Prozesse ablaufen, verändern sich die Bindungen zwischen den Teilchen. Die herkömmlichen experimentellen Methoden waren daher, was die dynamischen Abläufe betrifft, begrenzt. Der am 15. März 1930 in Wien geborene und 1938 von den Nationalsozialisten in die USA vertriebene theoretische Chemiker Martin Karplus hatte entscheidenden Anteil daran, dass solche Prozesse nun auch virtuell analysiert werden können.

"In den Cyberspace bringen"  

"Es ist fast unmöglich, jeden Schritt in chemischen Prozessen experimentell zu verfolgen. Die Methoden, für die nun die Forscher mit dem Nobelpreis in Chemie bedacht werden, haben es ermöglicht, diese Prozesse am Computer zu enthüllen", heißt es seitens der Akademie. "Die Simulationen sind so realistisch, dass sie die Ergebnisse traditioneller Experimente vorhersagen".

"Dieser Preis handelt davon, das Chemie-Experiment in den Cyberspace zu bringen", drückte es Staffan Normark, Ständiger Sekretär der Akademie, bei der Bekanntgabe aus.
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