Die Polizei in Kiel ermittelt derzeit gegen den deutschen Verdächtigen im Fall der verschwundenen britischen "Maddie" McCann. Christian B. soll bei einer "Einsatzabarbeitung" einen Polizisten verletzt haben. Das gab die Polizei in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt am Donnerstag bekannt. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet.
Am 6. Juni wurde laut Polizei ein Verfahren wegen eines körperlichen Angriffs beziehungsweise Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet. "Aufgrund des noch laufenden Ermittlungsverfahrens können derzeit keine detaillierteren Angaben zum Sachverhalt gemacht werden", hieß es von den Beamten.
Laut "Spiegel" soll B. vor einem Supermarkt mit seinem Handy Fotos von Polizisten gemacht haben. Als er sich weigerte, das Handy herauszugeben, kam es zu einer "Rangelei". Dabei erlitt einer der Polizisten eine Verletzung am Knie.
B.s Anwalt bestätigte laut "Spiegel" den Vorfall, warf der Polizei aber eine überzogene Reaktion vor. Die Fotos habe sein Mandant aus mehr als 40 Metern Entfernung gemacht, sagte er.
Christian B., der wegen Sexualdelikten mehrfach vorbestraft ist, wurde im September aus einer Justizanstalt in Niedersachsen entlassen. Er hatte eine siebenjährige Haftstrafe, unter anderem wegen Vergewaltigung, abgesessen. Das hatte aber nichts mit dem Fall Maddie zu tun. Jetzt lebt er in einer städtischen Unterkunft in Kiel.
Ein Gerichtsgutachter sieht bei B. eine große Gefahr für weitere Straftaten. Trotzdem gibt es derzeit keine rechtliche Grundlage für eine Freiheitsentziehung. Die Polizei überwacht ihn rund um die Uhr. Außerdem wurden ihm im Rahmen der Führungsaufsicht Weisungen erteilt. Er muss unter anderem eine elektronische Fußfessel tragen, damit seine Position jederzeit festgestellt werden kann.
Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig stuft B. als Verdächtigen im Fall der 2007 verschwundenen Maddie ein. Das wurde 2020 bekanntgegeben, eine Anklage gibt es bisher aber nicht. Maddie verschwand damals aus einer Ferienwohnung in Praia da Luz in Portugal, während ihre Eltern in einem nahegelegenen Restaurant waren.
Bis heute fehlt von ihr jede Spur. Der Fall sorgt seit Jahren für großes Medieninteresse. Ermittler gehen davon aus, dass B. früher zeitweise in Portugal gelebt hat.