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Christian Wehrschütz: "Dann bin ich in Gottes Hand!"

Für viele Österreicher ist Christian Wehrschütz das Gesicht und vor allem der Erklärer des Kriegs in der Ukraine. Heute.at hat mit ihm gesprochen.

Fabian J. Holzer
"Zeit im Bild"
"Zeit im Bild"
ORF

"Es ist immer dieses Bangen: Schaffen wir alle Termine oder muss ich vorher zurück?", erzählt ORF-Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz (wird am Sonntag 61 Jahre alt) im Heute.at-Talk. Bei den "Terminen" handelt es sich um Lesungen aus seinem neuen Buch "Mein Journalistenleben" , so wie heute Abend (19 Uhr) in der Buchhandlung Nentwich in Eisenstadt. Der vielleicht wichtigste Termin folgt aber morgen: "Wenn alles klappt, dann werde ich am Samstag meinen Geburtstag im Kreis meiner Familie feiern, also mit meiner Frau, meinen beiden Töchtern, deren Ehemännern und mit meiner Enkelin“, meint er.

Im Einsatz ist man in Gottes Hand…

Danach geht es für Wehrschütz zurück in die Ukraine. Viele Kollegen hätten bei seinem Job als Kriegsberichterstatter Angst. Er nicht. "Nie. Ich mache mir Angst um die Zukunft meiner Enkelin in unserem Europa. Aber wenn ich in ein derartiges Gebiet fahre, in eine Stadt, die mit Artillerie beschossen wird, dann bin ich in Gottes Hand“. Im Buch erzählt Wehrschütz von seinem Alltag, seinen Kollegen und viel über seine Familie und wie schwer sein Job für sie ist. Was der ORF-Star aber nicht macht, ist sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken: "Schauen Sie, im Grunde genommen sind wir Kampfpiloten. Damit der fliegen kann, müssen 30 bis 50 Leute dahinter gut funktionieren, damit die Maschine gewartet ist, damit alles da ist", so Wehrschütz.

Innerhalb der Ukraine gibt es Kulturschocks

Jetzt wieder für ein paar Tage im sicheren Österreich zu sein, fühlt sich für Christian Wehrschütz natürlich irgendwie befremdlich an. Aber: "Ich würde sogar sagen, der Unterschied von der Frontlinie zurück nach Kiew ist noch größer. Wien ist ein anderes Land. Hauptstadt eines anderen Landes. Aber wenn Sie von Bachmut zurückkommen - der Frontlinie - und sie gehen in der Khreschatyk-Strasse in Kiew einen Kaffee trinken oder sie treffen sich mit jemandem und gehen in das zentrale Universalgeschäft, dann haben Sie einen Kulturschock. Das war auch bei meiner Doku so "Mein Kiew", wo sich die Leute ganz bewusst gefragt hätten, wie erkläre ich in Österreich, dass in dem Land Krieg herrscht?"

Ein Buch für die Urenkelin und die Zuschauer

Genau deshalb war es Christian Wehrschütz auch so wichtig, sein neues Buch zu schreiben: "Das Ziel war zu beschreiben, was man als Korrespondent in 22 Jahren in den verschiedensten Varianten erlebt hat. Das dient jetzt nicht nur der Nachwelt, damit meine Enkelin mal meiner Urenkelin vorlesen kann, was der Opa so alles gemacht hat. Sondern ich glaube, unsere Berufsgruppe leidet unter anderem darunter, dass der Zuhörer, der Zuschauer, der Leser überhaupt keine Ahnung hat, wie wir arbeiten. Ich möchte eigentlich, dass das Buch in dieser Weise schon ein Verständnis dafür weckt, dass Journalismus mehr ist als 90 Sekunden Fernsehen."

In wenigen Tage, hoffentlich nach seinem Geburtstag, geht es für Wehrschütz zurück in die Ukraine, wo bei weitem nicht so gut schlafen kann wie zu Hause:  "Das ist ein wirklich großer Unterschied, hat aber nichts mit hier zu tun, sondern damit, dass ich neben meiner Frau liege…“

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