Niederösterreich

Clan-Chef wollte nach Bluttat Familie zu Lügen zwingen

Ein 65-jähriger Tschetschene hatte nach dem Mordversuch des Sohnes versucht, die Familie zu falschen Aussagen zu zwingen.
01.07.2021, 14:12

Ein tschetschenischer Großvater (65) musste wegen versuchter schwerer Nötigung und Anstiftung zur falschen Beweisaussage in Sankt Pölten auf die Anklagebank. Mitangeklagt waren auch auch in Summe vier Frauen (18 bis 51) wegen falscher Beweisaussage.

Mordversuch des Sohnes

Rückblick: Der Sohn des 65-Jährigen, ein Paketzusteller (39) aus St. Pölten, soll seine Gattin (36) über Jahre geschlagen haben. Das Opfer durfte nicht Deutsch lernen, nicht arbeiten gehen. Die Frau durfte laut Anklage nur in seiner Begleitung einkaufen gehen. Wenn er arbeiten war, musste sie sogar telefonisch um Erlaubnis fragen, wann und ob sie den Müll runtertragen dürfe.

Der 39-Jährige soll dann seine Frau fast erwürgt haben, dank Tochter konnte das Opfer über ein Fenster flüchten. Beim Prozess fasste der 39-Jährige schließlich zwölf Jahre aus (nicht rechtskräftig) - mehr dazu hier

Opa intervenierte auf seine Art

Nach dem Urteil und der Berichterstattung in den Medien, schickte das 65-jährige Familien-Oberhaupt sogar seinen Enkel in Redaktionen, um die Sichtweise des Großvaters zu erklären. Der 65-Jährige soll in der Folge auch Druck auf die 36-Jährige und eine weitere Frau, die die Familie verließ, ausgeübt haben. Schließlich wurde auch der 65-Jährige aus dem Verkehr gezogen und in St. Pölten vor Gericht gestellt. Mit ihm waren noch einige Frauen des Clans wegen Falschaussage angeklagt. Der Prozess dauerte auch zahlreiche Wochen.

Gestern gab es die Urteile: Zwei Jahre teilbedingte Haft für den 65-Jährigen, davon 8 Monate unbedingt wegen schwerer Nötigung. Je sechs Monate bedingte Haft für zwei Frauen wegen falscher Beweisaussage. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

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