Co-Pilot ließ Airbus-Maschine absichtlich abstürzen

Dramatisch sind die neuen Erkenntnisse der Ermittler zum Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten: Der Co-Pilot war beim Absturz von Flug 4U9525 bei Bewusstsein und hat anscheinend absichtlich den Sinkflug eingeleitet. Den Piloten hatte er aus dem Cockpit ausgesperrt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

Dramatisch sind die neuen Erkenntnisse der Ermittler zum Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten: Der bei Bewusstsein und hat anscheinend absichtlich den Sinkflug eingeleitet. Den Piloten hatte er aus dem Cockpit ausgesperrt. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

Bei einer Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Marseille wurden erschütternde Ermittlungsergebnisse bekanntgegeben: Anscheinend hat der Co-Pilot, der beim Absturz der Maschine allein im Cockpit saß, zuerst seinen Kollegen ausgesperrt und anscheinend absichtlich den Sinkflug eingeleitet. Der Co-Pilot hat demnach bei vollem Bewusstsein die Maschine zum Absturz gebracht - das bestätigen auch Geräusche aus dem Inneren der Cockpit-Kabine.

Laut der Tracking-Webseite Flightradar24 wurde der Autopilot kurz vor dem Crash umprogrammiert. Die Flughöhe sei von 38.000 Fuß (11.582,40 m) auf das kleinstmögliche Minimum von 100 Fuß (30,48 m) geändert. Neun Sekunden später begann der Sinkflug.

Pilot wollte Tür mit Axt einschlagen

Der ausgesperrte Pilot soll dann noch versucht haben, die Cockpit-Tür mit einer Axt einzuschlagen. Wie die "Bild"-Zeitung vom Freitag unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, nutzte er dafür eine an Bord befindliche Notfall-Axt, um in das geschlossene Cockpit zurückzugelangen.

"Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt", sagte eine Germanwings-Sprecherin der Zeitung. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA waren die Cockpit-Türen in Flugzeugen massiv verstärkt und mit einem Code versehen worden, um unbefugtes Personal fernzuhalten. Bis dahin war es möglich, die Türen im Notfall mit der Axt einzuschlagen

Das Protokoll des Grauens

Der Stimmrekorder förderte laut Staatsanwalt Brice Robin Erschreckendes zutage, wie er vor Journalisten in Marseille bekanntgab:

"Man hört, wie der Flugkapitän den Anflug auf Düsseldorf vorbereitet."
"Der Co-Pilot antwortet kurz, als der Kapitän ihn bittet, das Cockpit zu übernehmen"
"Dann hört man, wie ein Sitz zurückgeschoben, und eine Tür geöffnet wird."
"Der Pilot verlässt das Cockpit, um auf die Toilette zu gehen."
"Der Co-Pilot befindet sich zu jenem Zeitpunkt alleine am Kommando. Er kontrolliert den Airbus."
Als der Pilot zurückkommt und kurz anklopft, öffnet sich die Tür nicht. "Man hört, wie jemand Zutritt verlangt."
"Aber der Co-Pilot antwortet hierauf nicht, dann wird geklopft."
"Der Pilot klopft immer wieder und immer heftiger, es kommt aber keine Antwort und die Tür bleibt zu."
"In der Cockpit-Kabine hört man ein Atemgeräusch."
"Der Co-Pilot war also am Leben, als der Pilot in die Kabine einzudringen versuchte. Man hört die Atemgeräusche bis zum Aufprall."
"Anscheinend versucht der Pilot, die Tür über den Überbrückungsmechanismus zu öffnen (), da wird ihm klar: Der Co-Pilot hat die Überbrückung gesperrt."
"Man hört, wie jemand versucht mit Gewalt die Tür einzuschlagen. Man hört einen Alarm vor der Tür. Vor dem Aufprall hört man etwas, was sich wie ein erster Einschlag anhört." Dies könnte daher kommen, dass die Maschine einen Berg gestreift hatte.
"Die Opfer waren sich wohl erst ganz zum Schluss bewusst, was passiert ist"
"Erst ganz kurz vor dem Aufprall hört man Schreie."


Der Co-Pilot hatte laut Staatsanwalt den Knopf für den Sinkflug gedrückt. "Der Copilot war alleine am Steuer und verantwortlich", so die Staatsanwaltschaft. Den Begriff "Selbstmord" wolle er derzeit aber trotzdem nicht in den Mund nehmen.

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Seit den WTC-Anschlägen vom 11. September 2001 gibt es neue Sicherheitsvorschriften für Passagiermaschinen. Die Cockpittüren sind so konstruiert, dass die Tür automatisch ins Schloss fällt und dann nur mehr von Innen geöffnet werden kann. So sollen Flugzeug-Entführungen unmöglich gemacht werden.

Über eine Kamera sieht der Pilot, wer vor der Tür steht. Allerdings verfügt die Flugzeugcrew die Möglichkeit, die Sperre im Notfall - etwa falls der Pilot ohnmächtig wird - zu überbrücken.

Dazu muss häufig ein Zahlencode über ein Tastenfeld bei der Tür eingegeben werden. Diese Überbrückung kann allerdings vom Inneren aus für einen bestimmten Zeitraum blockiert werden. Nach Ablauf dieser Zeitspanne wird das Tastenfeld wieder freigeschaltet - außer die Eingabe wird vom Piloten erneut blockiert.

Die Türkontrolle befindet sich im Inneren des Cockpits. Die Kontrolle funktioniert üblicherweise über einen speziellen Tür-Schalter. Dieser hat drei Positionen:

Normal: Die Tür kann nicht von außen geöffnet werden. Die Notfall-Überbrückung von außen funktioniert aber.
Geöffnet: Dieser Schalter erlaubt das Öffnen der Tür von außen und muss gedrückt gehalten werden.
Sperre: Die Tür kann für einen festgelegten Zeitraum von außen nicht geöffnet werden.


Beim Airbus A320, der am Dienstag abgestürzt ist, wurde die Türkontrolle allerdings erst im Nachhinein eingebaut, weil die Maschine bereits in den 1990er Jahren gebaut wurde. Daher ist nicht sicher, welches System verwendet wurde.

Seite 3: Videos zum Flugzeugdrama

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