Coronavirus

Corona-Genesene leiden an neuer Form der Lungenfibrose

Wer sich mit dem Coronavirus ansteckt, kann auch weit nach der Infektion noch schwere Probleme haben. Das zeigen Studien aus Schweden und der Schweiz.
09.04.2022, 19:56

Corona-Infizierte haben einer Studie zufolge bis zu ein halbes Jahr nach der Ansteckung ein erhöhtes Risiko für die Bildung schwerer Blutgerinnsel. Der am Donnerstag in der Fachzeitschrift "BMJ" veröffentlichten Studie zufolge hatten die Infizierten auch sechs Monate nach der Infektion noch ein 33-fach erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie, bei der ein Blutgerinnsel Arterien in der Lunge blockiert.

Auch die Gefahr einer tiefen Venenthrombose – ein Blutgerinnsel, das normalerweise in den Beinen entsteht – war bis zu drei Monate nach der Infektion mit dem Coronavirus um das Fünffache erhöht. Menschen mit einer schweren Covid-Erkrankung oder Vorerkrankungen waren besonders gefährdet. Aber auch bei Personen mit leichten Erkrankungen, die keinen Spitalaufenthalt erforderten, war die Gefahr einer Lungenembolie und einer tiefen Venenthrombose höher.

Neu, wie lange das Risiko anhält

Dass eine Corona-Infektion das Risiko von Blutgerinnseln erhöht, war bereits bekannt. Neu ist hingegen die Erkenntnis, wie lange das Risiko anhält. Die Forschenden hatten für die Studie die Daten von einer Million Menschen in Schweden herangezogen, die zwischen Februar 2020 und Mai 2021 positiv auf das Virus getestet wurden. Diese wurden mit vier Millionen Menschen verglichen, die nicht positiv waren.

Die Forschenden stellten fest, dass in früheren Infektionswellen das Risiko der Blutgerinnsel höher war als mit dem Fortschreiten der Pandemie. Sie erklärten dies mit der steigenden Impfrate und besseren Behandlungsmethoden.

Zürcher entdecken neue Form von Lungenfibrose bei Genesenen

Von einer "übersehenen" und "neuen Form von Lungenfibrose" bei Ex-Covid-Patientinnen und -Patienten berichten Mediziner des Universitätsspitals Zürich (USZ) im Fachjournal "Annals of Medicine". Das Team entdeckte die als Post-Covid-Pulmonalfibrose (PCPF) bezeichnete Form bei Personen, die aufgrund von Covid-19 zwar hospitalisiert waren, aber weder beatmet werden mussten noch ein Lungenversagen erlitten – zwei bekannte Risiken für die Entwicklung einer Lungenfibrose.

Die Betroffenen hätten größere Einbußen bei der Atemleistung gezeigt als die schwersterkrankten Patienten und bei der Laboruntersuchung erhöhte Entzündungswerte aufgewiesenen. Zudem waren bei ihnen auf Röntgen- und CT-Bildern Gewebeveränderungen in der Lunge zu sehen, die auf eine bereits irreversible Schädigung des Lungengewebes hinweisen.

"Untypische, schwerwiegende Folgeerkrankung"

"Die Patientinnen und Patienten zeigten eine für ihren Krankheitsverlauf untypische, aber schwerwiegende Folgeerkrankung", so René Hage, Oberarzt an der Klinik für Pneumologie am USZ. Die Gewebeveränderungen zeigten sich zudem erst vier bis zwölf Wochen nach der Infektion, ein Zeitraum, in dem sie typischerweise nicht mehr auftreten und deshalb auch nicht vermutet werden. Von Covid Genesene mit diesen Beschwerden sollten "deshalb sorgfältig mit Lungentests überwacht und fallweise mit einer Computertomographie der Lunge abgeklärt werden", so Hage in einer Mitteilung.

Das Team weist darauf hin, dass es noch weitere Untersuchungen für die genaue Prognose dieser Form der Lungenfibrose bedarf. Auch wie sie optimal zu behandeln ist, ist noch offen.

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