"Corona-Impfung funktioniert nicht wie im Zombie-Film"

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).
Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ).Denise Auer
Am Montagabend stellten sich der Wiener Gesundheitsstadtrat Hacker und die Gesundheitsexpertin Paulke-Korinek Fragen zum Thema Impfung.

Am Montagabend stieg bei Puls 4 und Puls 24 das "Corona-Bürgerforum" mit dem Thema "Der große Impfgipfel". Infochefin Corinna Milborn und Anchor Thomas Mohr führten durch die Sendung mit dem Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und die Leiterin der Impfstoff-Abteilung im Gesundheitsministerium, Maria Paulke-Korinek.

Hacker will sich impfen lassen, aber nicht "in die erste Reihe schummeln". Der SPÖ-Politiker sieht sich nicht als Teil einer Risikogruppe und will sich dann impfen lassen, wenn er – wie die Gesamtbevölkerung auch – an der Reihe ist. Zuerst sollen ja Risikogruppen und Mitarbeiter in Gesundheits- und Pflegeberufen geimpft werden. Er beantwortete gemeinsam mit der Gesundheitsexpertin Paulke-Korinek Zuschauerfragen.

Wie können Spätfolgen der Impfung nach solch einer kurzen Testdauer ausgeschlossen werden? Paulke-Korinek: "Es ist keine Frage, dass man seltene oder sehr seltene Nebenwirkungen in Studien mit 30.000 ProbandInnen eventuell nicht erfassen kann. Gleichzeitig muss man bedenken, dass die ersten Impfstoffe im April und Mai geimpft wurden. Daher hat man einen langen Zeitraum beobachten können. In der Medizin kann man nichts zu 100 Prozent ausschließen, so ehrlich muss man sein."

Bekommt man bei Impfschäden eine Entschädigung? Hacker: "Diese Frage gibt es bei jeder Impfung. Es gibt ein Impfschadengesetz in Österreich, darunter fällt auch die Corona-Impfung. Die Spitäler in Österreich stehen natürlich bereit, falls Nebenwirkungen auftreten."

Kommt es mit der Impfung zu einem Ende der Politisierung des Themas? Hacker: "Es wird manchmal so getan, als gebe es Scharmützel, die es gar nicht gibt. Beim Thema der Impfung wird es diese nicht geben. Wir wollen die Impfung unserer Bevölkerung so gut wie möglich zugänglich machen. Nicht jeder Diskurs ist gleich ein Streit."

Wie hat man vor, die Impf-Skeptiker zu erreichen? Hacker: "Wir stehen permanent vor neuen Fragen, das verunsichert die Menschen. Das ist ein Lernprozess. Wir müssen uns daran gewöhnen, dass die Medizin noch keine fertigen Antworten hat. Bei dem Drittel, das sich nicht impfen lassen will, gehe ich davon aus, dass die Hälfte sich doch zur Impfung entscheidet. Das Entscheidende sind die ersten zwei Drittel." Paulke-Korinek: "Wir wissen schon, dass es einen gewissen Anteil der Bevölkerung gibt, etwa 4 bis 5 Prozent, bei denen handelt es sich um Impfgegner. Ein Drittel gehört zu den Skeptikern. Wir müssen sie nicht überreden, sondern klare Fakten und Tatsachen auf den Tisch legen."

Kann die RNA-Impfung das menschliche Erbgut verändern? Die derzeit verheißungsvollen Impfstoffkandidaten basieren auf der sogenannten Boten-RNA(mRNA)-Technologie. Diese beruht auf synthetischen Genen, die in wenigen Wochen erzeugt und hergestellt und auch in größerem Maßstab schneller als herkömmliche Impfstoffe hergestellt werden können. Mit der genetischen Information produzieren die Zellen im menschlichen Körper das Impf-Antigen quasi selbst. Das Erbgut des Virus kommt gar nicht in den menschlichen Zellkern, erklärte Paulke-Korinek sachlich. Hacker formulierte das launiger: "Es funktioniert nicht so wie in den Hollywood-Filmen, wo Menschen plötzlich zu Zombies werden."

Wie verfährt man mit Arbeitnehmern, die sich nicht impfen lassen und an Corona erkranken? Hacker: "Das ist keine fahrlässige Erkrankung, nein. Wir brauchen auch keine Hintertüren und sind ein schlaues, demokratisches Land. Die Fahrlässigkeit würde sonst ja auch bei der Grippe und allen anderen Krankheiten schlagend werden."

Was passiert mit immunen Personen, die über Antikörper verfügen? Paulke-Korinek: "Momentan gehen die Diskussionen in die Richtung, dass sich alle Menschen impfen lassen. Wir wissen noch nicht, wie lange die Immunität nach einer Erkrankung anhält."

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