Corona-Krankenschwester rechnet mit Impfgegnern ab

Selina Baumgartner wurde gegen Corona geimpft. Und teilte das öffentlich auf Facebook mit. Darauf folgten auch negative Kommentare.
Selina Baumgartner wurde gegen Corona geimpft. Und teilte das öffentlich auf Facebook mit. Darauf folgten auch negative Kommentare.zVg
Selina Baumgartner arbeitet auf der Corona-Station in einem Spital. In einem Facebook-Posting erklärt sie, weshalb sie sich gegen Corona impfen ließ.

"Liebe Impfgegner, liebe Coronaskeptiker", so beginnt ein Post, den Selina Baumgartner (27) am Wochenende auf Facebook gepostet hat. Selina ist diplomierte technische Operationsfachfrau, zurzeit arbeitet sie mit Covid-19-Patienten in der Schweiz. Am 8. Jänner ließ sie sich gegen Corona impfen. Diesen Schritt hat sie auf Facebook öffentlich gemacht. "Viele waren positiv, aber es hatte auch negative Nachrichten drauf." Selina nahm sich die Zeit zu antworten. Und wurde dabei immer wütender. Mit einer großen Prise Sarkasmus schreibt sie:

"Äußerst beeindruckt war ich von dem Schreiner, der mich über die Impfung aufgeklärt hat. Ich bin zwar beruflich im Gesundheitswesen tätig, habe offenbar aber keine Ahnung, wie so eine Impfung funktioniert! Ich wusste nicht, dass Schreiner auch Impfexperten sind, die decken ja echt ein breites Spektrum ab, Chapeau! Nun, die Aufklärung ist zu spät, ich wurde bereits geimpft."

Kaum aushaltbare Trauer

Im Post schreibt Selina weiter, wie auf der Corona-Station Menschen isoliert seien, ohne dass ihre Liebsten sie besuchen dürfen. Nur wenn jemand im Sterben liege, dürfen Angehörige ausnahmsweise in voller Schutzmontur zu einem Patienten und Abschied nehmen. "Ihre Trauer war für mich kaum aushaltbar", schreibt sie. "Laut weinten sie, sie schrien ihre Trauer hinaus, sie flehten und beteten."

Über die Feiertage arbeitete Selina bis zur Erschöpfung: "Ich hatte die schlimmsten, anstrengendsten Nächte in meinem Berufsleben. So nebenbei, es waren sieben Nächte à zehn Stunden – der nette Schreiner könnte euch jetzt genau sagen, dass das eine 70-Woche ist. Peinlich, aber wahr, ich habe aufgrund der Erschöpfung geweint. Nicht nur einmal. Ich war auch nicht die Einzige. Das Tragische an dieser ganzen Sache: es gibt Personal im Spital, das noch vielmehr leistet als ich."

Sie habe sich lange überlegt, ob sie diesen Beitrag posten solle, erzählt Selina im Gespräch mit "Heute"-Schwestermedium "20 Minuten". "Eigentlich nicht einmal, weil ich Angst vor den Reaktionen von Coronaskeptikern hatte. Vielmehr, weil ich doch sehr viel Schwäche zeige."

Diese Momente würden alle erleben, die auf Corona-Abteilungen arbeiteten, einige noch intensiver als sie. "Aber wir sprechen nicht darüber, dass man Tränen unterdrücken muss und Gefühle ignoriert, um irgendwie die Schicht zu überstehen." Darum habe sie dieser Post Mut gekostet. "Aber die Reaktionen von vielen Spitalmitarbeitenden waren sehr positiv, vielen geht es ähnlich wie mir und sie waren froh, dass es mal jemand ausspricht."

Eltern sind Risikogruppe

Nicht nur beruflich verändert Corona das Leben von Selina. Ihr Hobby ist das Singen, mit ihrer Band tritt sie regelmäßig auf – dann kam Corona. "Ich vermisse das Auftreten unglaublich und so wie mir geht es vielen Musikfreunden sicher auch." Ihr Freund lebe in München, ein Treffen sei immer nur dank großer Organisation möglich. "Ich habe mich auch impfen lassen, um endlich wieder meine Eltern umarmen zu können. Sie gehören zur Risikogruppe und ich stelle für sie eine Gefahrenquelle dar." Hierbei muss angemerkt werden, dass dieses Vorhaben nur sinnvoll ist, wenn die Eltern auch geimpft sind. Bestätigt ist bislang nur, dass Geimpfte vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt sind, nicht vor einer Infektion.

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