Wien

Corona: Stadt nimmt Leihfirmen unter Lupe

Nach dem Anstieg von Corona-Erkrankungen nimmt die Stadt nun Leihfirmen ins Visier. Ab kommender Woche sollen Serien-Testungen kommen.
17.05.2020, 15:56

Während andere Bundesländer keine Neuerkrankungen melden, steigen in Wien die Corona-Infektionen weiter an. Am Sonntag um 8 Uhr waren 2.960 Erkrankungen bestätigt. Nun steht fest, dass hinter den Neuerkrankungen in Wien eine gemeinsame Infektionskette steckt, die viele Fälle miteinander verbindet.

Davon betroffen sind sowohl die Corona-Infektionen, die Anfang Mai im Flüchtlingsheim "Haus Erdberg" (Landstraße) bekannt wurden, als auch ein Fall in einem Kindergarten in Liesing und mehreren Postverteilungszentren. In diesen, die teils in Wien, teils in Niederösterreich beheimatet sind, sollen es mittlerweile 120 Erkrankte geben. 

Erdberg wahrscheinlich nicht Ursprung der Infektionskette

Hinter der Verbreitung des Virus vermutet die Stadt Wien Leiharbeiter, daher werden nun Leiharbeiterfirmen gezielt ins Visier genommen. "Das Flüchtlingsheim war nicht der Urspung der Infektionskette, wir haben sie nur da erstmals entdeckt", erklärt am Sonntag ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) gegenüber "Heute". Das würde sich alleine aus der chronologischen Abfolge ergeben. Die positiv getesten Bewohner des Flüchtlingsheims wurden am 1. Mai in die Messe Wien (Leopoldtstadt) gebracht, alle übrigen in anderen Einrichtungen einquartiert. "Das heißt, die Menschen, die in Quarantäne waren, können niemanden angesteckt haben", argumentiert die Stadt.

Umkehrt lässt sich der Weg des Virus in die Flüchtlingseinrichtung recht leicht nachvollziehen: Fünf Asylberechtigte sind als Leiharbeiter in einem Postverteilungszentrum angestellt. Auch der Kindergarten lässt sich leicht verbinden: Die erkrankte Mitarbeiterin ist mit einem Leiharbeiter verheiratet.

Serientests in Leiharbeitenfirmen

Mit Serientestungen bei Leiharbeiterfirmen will die Stadt der Spur nun nachgehen. Das genaue Prozedere werde erst erarbeitet, wieviele Firmen und Mitarbeiter betroffen sein werde, könne man derzeit noch nicht sagen. Getestet werden soll nicht nur bei jenen Leiharbeitsfirmen, die bereits durch Corona betroffen sind, sondern auch Unternehmer, die Leiharbeiter beschäftigen. 

"Die Mehrheit der aktuellen Fälle zeigt kein oder nur leichte Symptome. Wien hat sich als einziges Bundesland dazu bekannt, auch bei asyptomatischen Verläufen zu testen, das wird nun erweitert", heißt es. Dies sei bei Leiharbeitern umso wichtiger, denn aufgrund der prekären Arbeitsverhältnisse würden diese nicht in Krankenstand gehen. Denn, wer nicht arbeitet, erhält kein Geld. 

Bund bietet Hilfe der Polizei an

Sorge, dass Wien die Sache alleine nicht in den Griff bekommt, macht sich offenbar Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Er bot der Stadt erneut eine Zusammenarbeit an. "Dieser dramatische Fall zeigt, dass es mehr braucht, als bisher getan wurde. Ich habe dem Wiener Bürgermeister mehrmals Hilfe beim Containment angeboten, um das Virus einzugrenzen. Spätestens jetzt wäre es Zeit, diese anzunehmen", so Nehammer. 

Zudem könnten Polizisten bei Verdachtsfällen unter Flüchtlingen helfen. "Es reicht nicht aus, Migranten einfach nur einen Zettel in die Hand zu drücken, um sie als Verdachtsfall zu informieren. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Quarantäne dann überhaupt eingehalten wird", so Nehammer. Die Stadt hält dies jedoch für nicht notwendig. Und wie ein Sprecher von Hacker betont: "Die Zunahmen der Corona-Erkrankungen sei keine Frage von Flüchtlingen, sondern von Leiharbeit". 

FPÖ und ÖVP üben Kritik

Heftige Kritik übte am Sonntag auch Wiener FPÖ-Chef Dominik Nepp. Er sprach von "Corona-Asylanten" und sieht es als klar an, dass "die neue Coronavirus-Welle im Asyl-Quartier seinen Ursprung hat und von dort in zwei Post-Verteilerzentren und einen Kindergarten geschwappt ist". Der nichtamtsführende ÖVP-Stadtrat Markus Wölbitsch wirft der Stadt hingegen vor, die Coronakrise "nie richtig ernst genommen zu haben". Nun müsse Gesundheitsstadtrat Hacker "endlich aktiv gegensteuern". 

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