Coronavirus-Bauanleitung sorgt für Kritik

Forschungen im Labor
Forschungen im LaboriStock - Symbolbild
Einer Gruppe Berner Virologen ist es gelungen, das Coronavirus zu klonen. Nicht alle in der Wissenschaft sind begeistert davon.

Nur gerade einen Monat brauchten sie dafür: Virologen der Universität Bern ist es gelungen, die genetische Struktur des Coronavirus zu klonen. Schon am 12. Februar lag ein kompletter synthetischer Klon vor.

Es ist nichts Neues, dass Corona-Viren geklont werden können: Entsprechende Techniken gibt es seit 20 Jahren. Neu ist die Geschwindigkeit: "Was früher bis zu zwei Monate dauerte, können wir nun in einer Woche erledigen", sagt Virologe Volker Thiel, der das Projekt leitete, gegenüber der "NZZ am Sonntag" (Bezahl-Artikel).

Zum Einsatz kommt beim Klonen des Virus ein spezieller Hefepilz – derselbe, der im Übrigen auch fürs Bierbrauen und Brotbacken verwendet wird. Der Vorteil von Hefezellen besteht darin, dass sie im Gegensatz zu für gewöhnlich eingesetzten Bakterien keine Mühe damit bekunden, die langen und komplexen Erbgut-Sequenzen von Viren zu kopieren.

Kritiker zeigen sich besorgt

Die Berner Forscher erhielten nach der Publikation ihrer Arbeit in der Fachzeitung "Nature" Gratulationen aus aller Welt. Aber auch Kritik: "Die Herausgabe des ganzen Rezepts, um ein tödliches Virus zu rekonstruieren, ist beängstigend", zeigte sich etwa ein australischer Genetiker besorgt.

Im Kern geht es um die alte Diskussion, ob es wünschenswert ist, dass alles neue Wissen auch aller Welt frei zugänglich gemacht wird. Denn: "Diese Information birgt eine grosse Gefahr", sagt Molekularbiologe Kevin Esvelt vom Massachusetts Insitute of Technology (MIT). Gerate das Virus in falsche Hände, könnte es als Bio-Waffe eingesetzt werden. "Natürlich haben die allermeisten von ihnen keine böswilligen Pläne. Aber es reicht, wenn einer sie hat", so Esvelt.

Die Berner Forschenden halten die Gefahr, dass ihre Coronavirus-Bauanleitung missbräuchlich verwendet werden könnte, für gering. "Man muss sehr viel Know-how haben, um Viren im Labor herzustellen. Das kann nicht jeder", sagt Thiel. Seine Forschungsgruppe hätte vor Publikation der Ergebnisse die Risiken sorgfältig abgewogen. Sie sei zum Schluss gekommen, dass der Nutzen weit grösser sei als die Gefahren.

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