Erstmals bei ungeborenem Kind Corona nachgewiesen

Schwangere können in seltenen Fällen Covid-19 auf ihr ungeborenes Kind übertragen, das haben Ärzte in Frankreich nun erstmals nachgewiesen.
Schwangere können in seltenen Fällen Covid-19 auf ihr ungeborenes Kind übertragen, das haben Ärzte in Frankreich nun erstmals nachgewiesen.iStock
In Frankreich konnten Ärzte zum ersten Mal eine Covid-19-Übertragung im Mutterleib nachweisen. Das Ungeborene steckte sich über die Plazenta an.

Ärzten aus Frankreich ist es erstmals gelungen, eine Übertragung des Coronavirusvon einer schwangeren Frau auf ihr ungeborenes Kind nachzuweisen: Der Junge zeigte nur wenige Tage nach seiner Geburt im März schwere neurologische Symptome und litt zudem an Hirnschwellungen, wie die Mediziner im Fachblatt "Nature Communications" berichten. Typische Symptome, die auch bei mit Corona infizierten Erwachsenen auftreten.

Bei der 23-jährigen Mutter war in der 35. Schwangerschaftswoche das Coronavirus nachgewiesen worden und auch bei ihrem Sohn fielen die Tests nach der Kaiserschnittgeburt positiv aus. Zunächst zeigte das Kind jedoch keinerlei Symptome. Erst am dritten Tag habe der Junge erste schwere Covid-19-Symptome gezeigt. Laut Studienbericht versteifte sich der Körper des Babys. Das Kind wirkte reizbar und trank nicht mehr so gut wie zuvor. Außerdem zeigte das Neugeborene eine Schädigung des weißen Gewebes im Hirn.

Noch bevor die Ärzte mit einer Behandlung begannen, ließen die Symptome allerdings nach. Innerhalb von drei Wochen erholte sich der Bub laut Studie aus eigener Kraft. Und auch die Mutter ist mittlerweile wieder symptomfrei.

Ansteckung über Plazenta

Frühere Untersuchungen hatten bereits nahegelegt, dass Sars-CoV-2 in seltenen Fällen von der Mutter auf das ungeborene Kind übergehen kann - ein Nachweis fehlte bislang jedoch. Diesen will nun das französische Ärzteteam erbracht haben. "Wir haben gezeigt, dass die Übertragung von der Mutter auf den Fötus über die Plazenta in den letzten Wochen der Schwangerschaft möglich ist", so Studienleiter Daniele de Luca vom Antoine-Béclère-Krankenhaus nahe Paris. Im Rahmen der Untersuchung habe man Proben des Fruchtwassers, der Plazenta und des Blutes der Mutter sowie des Neugeborenen analysiert.

Wie die Ergebnisse zeigen, war die Viruskonzentration in der Plazenta am höchsten. Über Plazenta und Nabelschnur sei das Virus dann zum ungeborenen Kind gelangt. "Die schlechte Nachricht ist, dass dies tatsächlich passiert ist und passieren kann", so De Luca. "Die gute Nachricht ist, dass es selten ist - sehr selten im Vergleich zur gesamten Weltbevölkerung."

Schwangere und auch ungeborene Kinder gelten bislang nicht als Risikogruppen für schwere Covid-19-Verläufe. Schwangeren wird geraten, sich regelmäßig die Hände zu waschen und Kontakt zu Personen zu vermeiden, die Erkältungssymptome oder Fieber haben. So soll das Ansteckungsrisiko gesenkt werden.

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