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Superheld zu sein, war noch nie so eintönig

Microsoft bringt das Crackdown-Franchise auf Xbox One und Windows 10 zurück – das Ergebnis ist mehr als durchwachsen.

Heute Redaktion
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Crackdown 3 eignet sich gut für den Xbox Game Pass. Es mag nicht besonders herausragend sein, aber man zahlt sowieso 10 Euro pro Monat für den Service. Und für ein paar Stunden kann man ja durchaus Spaß haben mit dem Microsoft-Exklusivtitel. Die eher mittelmäßige Qualität wird aber bedauernswert, wenn man sich die ursprünglichen Ambitionen des Games ins Gedächtnis ruft.

Die Macht der Cloud

Es war das Jahr 2014, als Microsoft das neue Crackdown noch ohne "3" im Titel als Vorzeige-Spiel für die Rechenpower der Cloud vorstellte. In einer Tech-Demo zeigten Entwickler damals die physikalisch mehr oder weniger korrekte Zerstörung ganzer Gebäude. Möglich machte es die Unterstützung aus der Microsoft-Cloud. Davon ist jetzt, fünf Jahre später, nicht mehr viel übrig.

Die fertige Version von Crackdown 3 gliedert sich in zwei Teile: die Story-Kampagne und den Multiplayer-Modus. In letzterem kommt die Cloud zum Einsatz, doch es handelt sich bestenfalls um eine Imitation dessen, was bei der Vorstellung des Spiels gezeigt wurde. Die etwa zehnstündige Handlung hingegen spielt in einer offenen Welt, die in der trotz bombastischer Expolosionen jeder Stein auf dem anderen bleibt.

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Terry, wo bist du hin?

Die Story ist generisch: Die Zukunftsstadt New Providence wird vom schurkischen Mega-Konzern TerraNova regiert, den man als Agent der "Agency" aufhalten soll. Das wars's. Statt trashigem B-Movie-Charme gibt's aber über weite Strecken nur langweilige Baller-Orgien mit austauschbaren Roboter-Gegnern. Und während im Intro noch Charisma-Garant Terry Crews (Brooklyn Nine-Nine, Expendables) für Stimmung sorgt, wird er danach einfach zu einem Skin für die Spielfigur. Hier wäre mehr drin gewesen – ebenso wie bei den hastig zusammengeschustert wirkenden Zwischensequenzen, die aus animierten Zeichnungen bestehen.

Das könnte man dem Spiel ja alles noch verzeihen, wenn Crackdown 3 mit seiner ultimativen Superheldenfantasie-Erfüllung wenigstens Abwechslung und kreative Ideen bieten würde. Doch leider Fehlanzeige. New Providence ist zwar wunderbar vertikal angelegt, aber schrecklich detailarm. Statt echter Herausforderung (mit Ausnahme von optionalen Plattforming-Aufgaben) schickt das Game dem Spieler einfach viele, viele Gegner entgegen. Die stecken teilweise viel ein, dank automatischem Zielen trifft man sie aber immer.

Zum Abschalten

All das heißt nicht, dass man mit Crackdown 3 keinen Spaß haben kann. Für ein paar Stunden ist es ganz unterhaltsam, als beinahe unaufhaltsame Killermaschine mit übermenschlichen Kräften durch die Stadt zu springen und hordenweise Gegner plattzumachen. Nur anspruchsvoll ist das natürlich nicht – und es kommen auch nicht viele neue Elemente dazu. Motivierend sind hingegen das Sammeln von sogenannten "Orbs" zum Verbessern der Fertigkeiten und zugegebenermaßen ganz interessante Bosskämpfe. Im Koop mit einem Freund kann man sich zudem gegenseitig von der Eintönigkeit ablenken.

Die Cloud kann schließlich doch zeigen, was in ihr steckt – in Form des Multiplayer-Modus Wrecking Zone. In abgesteckten PvP-Arenen, die sich über mehrere Häuserblocks erstrecken, treten Fünfer-Teams von Agenten gegeneinander an. Dabei nutzt man die zerstörbare Infrastruktur des Gebiets, um Gegner taktisch auszubremsen. Von den spektakulären Bildern aus dem Jahr 2014 ist zwar nicht mehr viel übrig, das systematische Zerlegen der hohlen Gebäude macht aber trotzdem Spaß.

Fazit: Enttäuschend

Für Crackdown 3 ist nur eine minimale Gehirnaktivität nötig. Das Anvisieren der Gegner funktioniert automatisch, abwechslungsreiche Aufgaben sucht man vergeblich. Vor zehn Jahren wäre das auf der Xbox 360 wohl alles in Ordnung gewesen, 2019 dürfen die Erwartungen an Open-World-Games aber weitaus höher gesteckt sein. (lu)