Darum fürchtet die Schweiz einen Strom-Blackout

Steigender Energieverbrauch, Nachbarländer, die ungern exportieren und unsteter Strom aus Solaranlagen: Deshalb warnen Behörden vor einem Strommangel.

Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) schlug bereits im Juni 2021 Alarm – nicht zum ersten Mal. Der Grund: Im Winter droht in der Schweiz eine Stromlücke.

Zwar ist der Ausbau der erneuerbaren Energien bisher auf Kurs. Doch in Stein gemeißelt ist dies nicht: Es ist noch unklar, wie Umweltministerin Simonetta Sommaruga den weiteren Ausbau des sauberen Stroms vorantreiben will, nachdem das CO2-Gesetz an der Urne gescheitert ist.

Dazu kommen weitere Faktoren:

– Wie viel Strom beispielsweise Solaranlagen liefern, ist stark wetterabhängig. Dies wird gerade im Winter zum Problem.

– Der Strombedarf wird längerfristig durch den Umbau der Mobilität, beispielsweise durch E-Autos, noch steigen.

– Wie stark die Menschen Energieverbrauch einsparen, ist unklar – der Bund hat dazu keine Vorgaben gemacht.

– Wie stark die Wasserkraft ausgebaut werden kann, ist offen. Kompromisse bei Gewässerschutz oder Wasserzins sind nicht absehbar.

– Die bestehenden Atomkraftwerke gehen 2034 vom Netz – es könnte aber aus technischen und wirtschaftlichen Gründen auch zu frühzeitigen Abschaltungen kommen.

– Und ein gewichtiger Faktor sind die unsicheren Stromimporte aus dem Ausland. Die Nachbarländer sind nämlich immer weniger bereit, Strom an die Schweiz zu liefern. So steigt Deutschland aus der Kernenergie und dem Kohlestrom aus. Österreich hat keine AKW und wird selbst stark abhängig sein. Fraglich ist, ob Italien Atomstrom in die Schweiz liefern würde – oder ob es ihn selber braucht.

47 Stunden kein Strom

Dass es unter diesen Bedingungen in der Schweiz 2025 nicht zum Blackout kommt, ist deshalb das Stromabkommen mit der EU zentral. Nach dem Aus des Rahmenabkommens liegt dieses jedoch auf Eis. In einem neuen Bericht des Bundesrats heißt es nun, dass im Winter gar zwei Tage lang der Strom fehlen könnte. 30.000 Unternehmen haben nun Post erhalten mit der Information, dass im Notfall der Strom gar rationiert werden könnte.

Die neue Studie geht von einer "Stresssituation" aus. Die Stromkapazitäten, die die Nachbarländer liefern könnten, wären um 70 Prozent reduziert. Und die beiden Reaktorblöcke Beznau I+II sowie ein Drittel der französischen Kernkraftwerke wären nicht verfügbar. Hinzu kommt, dass die EU ab 2025 mindestens 70 Prozent der grenzüberschreitenden Netzkapazitäten für den Stromhandel innerhalb der EU freihalten will. Damit wäre im Netz im schlimmsten Fall kein Platz mehr für Stromlieferungen in die Schweiz.

Umstrittenes Stromabkommen

Im schlechtesten Szenario gibt es keine Zusammenarbeit mit der EU. Ende März würde es mit der Stromversorgung in der Schweiz dabei kritisch: "Während 47 Stunden könnte dann der inländische Strombedarf nicht mehr gedeckt werden", heißt es in der Studie. Besser sieht es aus, wenn sich die Schweiz mit der EU auf technische Vereinbarungen einigt. Und noch besser, wenn ein Stromabkommen mit der EU zustande kommt.

Ob es überhaupt ein solches Abkommen braucht, ist politisch aber hoch umstritten. Zu "20 Minuten" sagt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi: "Es ist eine Illusion, dass uns das Stromabkommen mit der EU mehr Strom bringt." Stattdessen müsse die Schweiz dafür sorgen, im Inland mehr Strom zu produzieren.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account 20 Minuten Time| Akt:
SchweizÖsterreichische EnergieagenturEU

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen