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Das Beste, was man aus Abgas machen konnte

Mit dem BMW 2002 Turbo baute der Münchner Hersteller den ersten deutschen Serien-Turbo. Allerdings wohl zur falschen Zeit.
Heute Redaktion
13.09.2021, 20:20

Im Jahr 1973 war ein Abgasturbolader noch ein ziemlich exotisches Hilfsmittel zur Leistungssteigerung, das primär im Rennsport, aber kaum je auf der Straße eingesetzt wurde. Aber das war nicht der einzige Grund, warum man den BMW 2002 Turbo so groß und auffällig angeschrieben hatte.

Der BMW 2002 gehörte zu den sportlichen Limousinen, doch die Konkurrenz wurde immer schneller. Da konnte BMW nicht zurückstehen. Erfahrung mit leistungsgesteigerten Zweiliter-Motoren gab es bei BMW genug. Schließlich hatte man den 2002 für den Renneinsatz gekonnt mit einem Abgasturbolader zwangsbeatmet und an die 300 PS aus dem braven Vierzylinder herausgeholt. So gerüstet und mit dicken Kotflügelverbreiterungen versehen, gewannen die Bayern die Europameisterschaft der Tourenwagen.

Um den Turbo-Motor im Alltag nutzen zu können, waren noch einige Anpassungen und Optimierungen nötig. Denn anders als im Rennsport besteht der normale Straßenverkehr vor allem aus Teillast-Fahren und Stop-and-Go.

Die Zähmung des Turboladers

Für den 2002 Turbo machten die BMW-Ingenieure um Alex von Falkenhausen den Motor alltagstauglich, reduzierten die Verdichtung und setzten auf einen relativ niedrigen Ladedruck. Das Ergebnis waren 170 PS bei 5.800 Umdrehungen, also 40 PS mehr als die eingespritzte Saugvariante. Das Drehmoment stieg um über ein Viertel.

7,1 Sekunden Zeit nahm sich der BMW 2002 Turbo in einem Test im Sommer 1974 für den Sprint von 0 bis 100 km/h, bereits nach 18 Sekunden lagen 160 km/h an und kurz später lief der BMW 211,8 km/h (Spitzengeschwindigkeit bei 6.500 Umdrehungen). Das konnte ein Porsche 911 nicht viel besser.

Die Sache mit dem Schriftzug

Als erstes deutsches Serienfahrzeug mit Turbomotor wollte man die neue Technologie natürlich auch publikumswirksam dokumentieren und klebte seitliche Schriftzüge aufs Auto, ergänzt um eine "Turbo"-Aufschrift am Heck. Und damit auch der Voranfahrende sofort erkenne, welche Rakete sich da im Rückspiegel nähert, ließ Verkaufsleiter Bob Lutz auch noch seitenverkehrt gedruckte "2002"- und "Turbo"-Schriftzüge auf dem Frontspoiler anbringen.

So wurde der Wagen dann der Presse präsentiert und prompt kam er autokritischen Kreisen in den falschen Hals – schließlich herrschte die Erdölkrise. So verschwand der Schriftzug wieder vom Frontspoiler, die Serienautos wurden ohne ihn ausgeliefert.

Leichtfüßig

Das Design mit den Kotflügel-Verbreiterungen und den Spoilern sowie die Grundkonzeption des BMW 2002 sind bereits fast 50 Jahre alt, und dies hat durchaus positive Aspekte. So ist der Wagen mit 4,22 Metern Länge und 1,62 Metern Breite kompakt, mit seiner tiefen Gürtellinie und den großzügig verbauten Glasflächen außerordentlich übersichtlich.

Das Interieur unterscheidet sich nur durch Sportsitze und ein rotes Armaturenbrett von den anderen 2002-Modellen. Zudem sorgen ein Lederlenkrad und eine Ladedruckanzeige für Abstand zu den günstigeren Versionen.

So richtig will man dem Wagen das Temperament gar nicht abnehmen, was aber am relativ späten Einsetzen des "zweiten Winds" liegt. Erst über 4.000 Umdrehungen kommt der Turboeffekt voll zum Tragen und dann schiebt der BMW vehement nach vorne. Leise ist der Motor dabei nicht, als aufdringlich empfindet man die Geräuschkulisse aber auch nicht.

Dank der Übersichtlichkeit und der großzügig verfügbaren Leistung machen Straßen aller Art viel Spaß und man gehört eigentlich immer zu den Schnellen.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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