Das neue "Demon's Souls" ist jetzt schon Kult

Ohne diesen Titel gäbe es "Dark Souls", "Sekiro" und "Nioh" nicht: Das Action-Rollenspiel "Demon's Souls" feiert auf PlayStation 5 Wiederauferstehung.

Als das originale "Demon's Souls" 2009 auf der PlayStation 3 erschien, war das Feedback der Spieler und Tester anfangs verhalten. Zwar gab es bei Onlinefunktionen, Charaktergestaltung, Spieltod und Wiederauferstehung und vor allem beim Schwierigkeitsgrad jede Menge Innovationen, doch erst langsam stellten sich immer mehr Fans den beinharten Kämpfen. 2011 wurde "Demon's Souls" dann zum Urvater eines neuen Genres und gebar zuerst die "Dark Souls"-Trilogie und danach weitere Hardcore-Action-Rollenspiele wie die "Nioh"-Serie und "Sekiro: Shadows Die Twice".

Jubel kam auf, als Sony ein Remake des "From Software"-Titels unter Mitwirkung von Entwickler-Legende Hidetaka Miyazaki für die Next-Gen-Konsole PlayStation 5 ankündigte. Denn gerade heute sind brutal schwere Spiele, die jede falsche Reaktion bestrafen und nur von den besten der besten Gamern gemeistert werden können, absolute Magelware am Spielmarkt. Sogar "Sekiro" und "Nioh 2" gingen zuletzt Kompromisse ein: "Sekiro" mit einem starken Schleichanteil, um schere Gegner zu überraschen, "Nioh 2" mit einem Multipayer, bei dem stärkere Spieler die Arbeit übernehmen.

Neue Grafik, aber Original Gameplay

Doch mit dem von den Enwicklern bei Bluepoint Games umgesetzten Remake von "Demon's Souls" kehrt nun nicht nur das pure Hardcore-Gameplay zurück, sondern hält auch erstmals auf der neuen PlayStation 5 Einzug. Und dieses Mal dürfte das komplett überarbeitete "Demon's Souls" statt eines anfänglichen Nischentitels gleich zu Beginn eines der faszinierendsten Spiele des Jahres werden. Bluepoint Games nämlich hat sich schonen einen großen Namen als Remake- und Remaster-Wunderschmiede gemacht und "Shadow of the Colossus" überarbeitet sowie die ersten drei "Uncharted"-Teile portiert.

Doch auch wenn das Spiel in ganz neuem Glanz über die PS5 huscht, beim Gameplay war Zurückhaltung angesagt, um das Original ja nicht zu verwässern. Auch wenn man "Demon's Souls" vor rund zehn Jahren oder auch jüngst noch gespielt hat: Nach dem Start des Remakes erkennt man zwar sofort die altbekannten Umgebungen, Bauwerke und Feinde, fühlt sich aufgrund der neuen Grafik aber trotzdem in einem gänzlich neuen Spiel. Was aber trotzdem beibehalten wurde: Eine nahtlos erkundbare Spielwelt gibt es nicht. Die verschiedenen Areale werden über einen zentralen Nexus gewählt und betreten.

Spielwelt als große Stärke

Aus dem Nexus, der Spiel-Zwischenwelt von Leben und Tod, lassen sich die fünf Regionen des Spiels betreten. Welche Region man wann wählt, ist dabei dem Spieler überlassen. In manchen Gebieten geht es allerdings erst weiter, wenn bestimmte Bosse besiegt oder gewisse Items eingesammelt und genutzt wurden. Generell aber gilt: Jede der Regionen teilt sich in weitere Regions-Gebiete auf, an deren Ende jeweils ein Bossgegner das Fortkommen verhindern will. Und meist steckt man an ihnen eine kürzere oder längere Zeit fest, bevor man sie ersmals besiegen kann.

Ein Highlight des alten und neuen "Demon's Souls" ist die Gestaltung der Umgebungen. Die fünf Regionen zeigen sich zwar allesamt relativ düster, aber unglaublich abwechslungsreich. Vom imposanten und weitläufigen Palast von Boletaria über den von Abgründen und Höhlen übersäten Schrein der Stürme bis hin zum tief in die Erde reichenden und beengten Tal der Schändung zeigt sich eine Fantasy-Welt, die ihresgleichen sucht. So gut wie jeder moderne Entwickler dürfte sich bei der Level-Gestaltung Anreize von "Demon's Souls" geholt haben, doch auch im Remake gefallen die Areale nach wie vor super.

Grafisch kein Durchbruch

Zwar hat "Demon's Souls" auch eine an die PlayStation 5 angepasste Grafik spendiert bekommen, einen Next-Gen-Durchbruch stellt das aber nicht dar. Doch auch wenn die Grafik weit hiter den Möglichkeiten der nächsten Konsolen-Generation zurückbleibt, ist sie nicht von schlechten Eltern. Es gibt nun viel mehr und vor allem extrem scharfe Details in den Arealen und Bauwerken, dynamische Lichteffekte beeindrucken mit düsterem Schattenspiel und je nach Umgebung zieht auch durch die Luft oder wabbert Nebel knapp über dem Erdboden. Vor allem aber die Weitsicht ist fantastisch.

Zwar spielen sich sehr viele Szenen in den Verließen, Höhlen, Schlössern und Gängen von Demon's Souls ab, umso beeindruckender ist es aber, wenn man in ein Gebiet mit freiem Blick auf die Umgebung vorstößt, die Rüstung der Spielfigur im Mondschein glänzt und ein nahes Feuer Funken in die Nachtluft sprüht. Eindeutig ist "Demon' Souls" im Remake das grafisch prächtigste der "Soulslike"-Spiele. Gewählt werden kann im Game übrigens zwischen einem Performance- (4K, 60fps) und einem Qualitäts-Modus (4K, 30fps), bis auf die flüssigere Darstellung im ersteren waren aber keine Unterschiede erkennbar.

Nichts für Ungeduldige

Bei den Ladezeiten dagegen kommt die PS5 voll zum Tragen, denn es gibt sie quasi nicht. Nur an wenigen Stellen und beim Start wird Sekundenbruchteile geladen, die Wartezeiten sind beinahe lächerlich kurz. In puncto Handlung seien Neuline gewarnt: "Demon's Souls" ist etwas durchschaubarer als die krypisch erzählten "Dark Souls"-Teile, alleine durch Videosequenzen versteht man als Spieler aber kaum, worum es im Kampf des Helden gegen etwas uraltes Böses sowie einen mysteriösen Nebel, der Gefahren und Dämonen birgt, eigentlich genauer geht.

Bruchstückhafte Hinweise finden sich in Itemtexten und Gesprächen mit Michtspieler-Charakteren, Lesewillen der eingeblendeten Texte und Geduld sind also Voraussetzung. Geduld ist aber sowieso Voraussetzung, um auch nur den ersten Boss von "Demon's Souls" besiegen zu können. Wer nur einen "Dark Souls"-Teil gespielt hat, weiß, worauf er sich einstellen muss, den Rest erwarten Tausende Tode und unglaubliche Glückgefühle, wenn der Boss endlich fällt. Nur um dann beim nächsten Feind vor der gleichen Herausforderung zu stehen. Ein Kreislauf, der sich je nach Erfahrung für 25 bis 50 Stunden wiederholt.

Immer hart, aber immer fair

So sehr die Serien-Tode und das Jagen nach der eigenen Wiederbelebung samt verringerten Lebenspunkten auch frustrieren können, "Demon's Souls" ist immer hart, aber immer fair. Das Gefühl, einen Feind dank genauer Beobachtung seiner Bewegungen und der Auskundschaftung seiner Schwachstellen endlich besiegt zu haben, sucht außerhalb des Generes seinesgleichen. Ebenso das Gefühl, dass hinter jeder Ecke der Spielwelt die nächste tödliche Gefahr lauern könnte oder die Furcht, was es mit den bösartig leuchtenden Augen in der nur wenige Metern entfernten Dunkelheit auf sich haben könnte.

Brutal ist in "Demon's Souls" auch der Umstand, dass die Level zwar lange ausgefallen, Checkpoints zur Absicherung gegen eine Spieletod aber umso rarer sind. So kann es öfters als ein, zwei Mal vorkommen, dass man ein ganzes Level von Beginn an neu bis zum Boss abgrasen muss, was für einen zusätzlichen Nervenkitzel sorgt. Dafür hat "Demon's Souls" für "Soulslike"-Verhältnisse die minimal leichteren Bosse spendiert bekommen, keiner allerdings ist ein Zuckerschlecken. Zumindest nicht, wenn man nicht weiß, dass einige Gegner mit NPC-Unterstützung bekämpft, andere mit nur ein paar Schlägen an der richtigen Stelle vernichtet und andere ohne das Erkunden der Umgebung gar nicht besiegt werden können.

Wilder Mix an tollen Bossen

Bei den Bossen herrscht wieder fantastische Abwechslung, From Software galt von Beginn als als Genie dieser Figuren. So wartet auf den Spieler ein turmhoher Ritter mit verwundbaren Füßen, ein blindes Monster mit umso besseren Gehör oder eine schreckliche blinde Gestalt, die Jagd auf Geräusche macht. Andere Bosse beschützen sich gegenseitig oder rufen gar andere Spieler zu Hilfe, werden in Flammen gehüllt oder nehmen mit ihrer imposanten Gestalt den gesamten Bildschirm ein. Wer hier nicht ins Staunen kommt, den kann wohl gar nichts mehr überraschen. Die Neuerungen im Remake sind wie die Bosse im Vergleich zum Original abseits der Grafik sehr überschaubar ausgefallen.

Beginnend bei neuen PlayStation-Trophäen wurden viele Items und Areale umbenannt, Spieler- und Feind-Figuren wurden scharf und detalliert neu modelliert und neue Waffen, Rüstungen und Gegenstände kamen hinzu. Im Multiplayer können nun sechs statt bisher vier Spieler kämpfen, Inventargewicht wird nun deutlicher durch weniger tragbare Items bestraft und das neue Feedback lässt es über den DualSense-Controller deutlich spüren, wenn man Angriffe pariert. Dazu kommt ein neuer Fotomodus und der Soundtrack wurde mit Orchester-Unterstützung aufgemotzt. Die Spielfigur kann sich nun zudem in acht statt vier Richtungen abrollen, um Angriffen zu entgehen. 

Einige Kritikpunkte beibehalten

Andere Spielelemente, die schon beim Original in der Kritik standen, wurden aber wieder übernommen. Noch heute rätseln viele Spieler des Originals, was es etwa mit den Weltentendenzen auf sich hat, die sich auch nun wieder finden. Das Konzept, dass sich die Spielwelt je nach Anzahl der Tode in die Dunkelheit verschiebt oder im Licht bleibt, wird wieder weder erklärt, noch können die Auswirkungen nachvollzogen werden. Dazu kommt in seltenen Fällen eine entweder übermenschliche oder strunzdumme KI, die in manchen Gefechten unmögliche Reaktionszeiten auf Angriffe zeigt, dann aber wiederum nicht die Feinde an einer Säule vorbeizubugsieren vermag.

Es ist aber auch bemerkenswert, dass das Spiel trotz beinahe identem Gameplay des Originals inklusive jahrealter Mechaniken wie dem optisch schlichten Inventar-Management oder den schlichten Item- und Dialog-Texten auch heute noch voll überzeugen kann. Noch ein Wort zum Multiplayer: Der funktioniert gänzlich anders als in typischen Online-Games. Statt Schnell-Einladungen oder erstellten Sitzungen müssen im Spiel Item-Steine genutzt werden, um entweder in die Spielwelt eines anderen Spielers einzusteigen oder Hilfe im eigenen Level anzufordern. Solche Steine machen es aber auch möglich, im Spiel eines anderen Spielers aufzutauchen und ihn zu bekämpfen, anstatt ihm zur Seite zu stehen.

"Demon's Souls" ist jetzt schon Kult

Hat es beim Original-Spiel noch Monate gedauert, bis es überhaupt halbwegs bekannt war, ist das neue "Demon's Souls" bereits beim Launch ein absoluter Kult-Titel. Grafisch komplett aufgewertet und mit scharfen Details sowie schönen Lichteffekten versehen, bietet es den gleich gnadenlosen Kampf gegen Ungeheuer, Monster und Dämonen, an dem sich Spieler seit rund einem Jahrzehnt mit Genuss die Zähne ausbeißen. Zwar sind die Gameplay-Neuerungen in homöopathischen Dosen umgesetzt worden, dennoch spielt sich das Game auch heute noch schockierend gut.

Die neue Grafik, Steuerung und das Controller-Feedback sind jedenfalls auch für Kenner Grund genug, noch einmal in die Spielwelt einzutauchen und ihren Gefahren zu trotzen. Neulingen kann dabei nur empfohlen werden, jede Menge Geduld und Ausdauer mitzubringen, um einerseits die Gamelay-Mechaniiekn verstehen und andererseits die vielen brutalen Bosse besiegen zu können. Egal ob Kenner oder Neuling: Nicht viele Spiele vermitteln ein so intensives Gefühl des Glücks und Stolzes, wenn endlich der ersehnte "Dämon besiegt"-Schriftzug am Bildschirm auftaucht.

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