Das Polizeifunk-Protokoll zum geplanten Parlamentssturm

Die Polizei blockiert den Ring
Die Polizei blockiert den RingHertel
Versuchten die Corona-Demonstranten das Parlament zu stürmen? Ein Protokoll des Polizeifunks soll das belegen.

Auch zwei Tage nach der Skandal-Demo lässt diese die Wogen hochgehen. Über die genauen Umstände entfachte nämlich ein handfester Polit-Streit zwischen FPÖ und ÖVP. Die Volkspartei wirft den Freiheitlichen etwa vor, zu der untersagten Versammlung mobilisiert zu haben.

Die FPÖ schießt sich auf das Detail eines angeblichen Sturms auf das Parlament ein. In einer Aussendung ist die Rede von "gezielter Desinformation des Innenministers", darüber hinaus werden Beweise gefordert. Auch wäre eine Entschuldigung angebracht, denn immerhin ist das Parlamentsgebäude aktuell nur eine Baustelle.

Augenzeugen berichten jedenfalls von rund 50 Personen, die teils mit Holzlatten bewaffnet auf das Parlamentsgebäude zustürmen. Dabei sollen sie "Schließt euch uns an" und "Kurz muss weg" gerufen haben.

"WEGA unterwegs"

Anfangs waren tausende Demonstranten vor dem Burgtor gekesselt, doch die Polizeikette wurde durchbrauchen. Auch auf der anderen Seite der Absperrung kam es zu größeren Ansammlungen. Vereinzelt gab es Festnahmen.

Während ein Demonstrationszug Richtung Museumsquartier und weiter die Mariahilfer Straße raufmarschierte, ging eine andere Gruppe den Ring entlang. Dabei passierten sie auch das nahegelegene Parlamentsgebäude.

Innerhalb der Menschengruppe befanden sich auch einige verdeckte Ermittler, die die aktuellen Ziele und Gruppendynamiken an die Einsatzleiter weitergaben. Ein Auszug daraus liegt der "Kronen Zeitung" vor.

 "Ich muss mir noch Kräfte herholen, um den Schmerlingplatz zu schließen."

 "Dachstein 3 Parlament gibt bekannt: Druck wird stärker. Mein Auftrag war: Sperre halten."

 "Anfrage: Haben Sie noch eine Gruppe für mich? Ich hole mir die letzten Kräfte gerade für den Schmerlingplatz, der ist beim Parlament noch offen. Wenn sie wiederholen? Ich habe keine Kräfte mehr."

 "Auftrag: Entsendung von noch freien Möglichkeiten an Kräften. Antwort: WEGA 120 ist unterwegs."

 "Mehrfach in der Menge mitgehört, dass das Ziel ist: Rampe des Parlaments. Demozug wird dort aufschlagen."

 "Wir haben eine Lücke beim Parlament ... Auftrag: Bitte Demo begleiten."

 "Gibt es noch Kräfte, die mir die Demo beim Parlament servicieren? Antwort: Negativ."

 "Können Sie Kräfte zur 2er-Linie verlegen? Der Demozug wird dort aufschlagen. Antwort: Ja."

 "Es verteilt sich beim Parlament in mehrere Richtungen. Wir begleiten so gut es geht."

Trotz solcher umstürzerischer Vorhaben wurde die Versammlung erst Stunden später aufgelöst. Der Wiener Polizeichef und Einsatzleiter Gerhard Pürstl erklärte das in der ZIB2 so: "Mit einer zwangsweisen Auflösung geht meist Eskalation einher, Ausschreitungen und eine Gefahr für die körperliche Sicherheit." Das wollte man verhindern.

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