Das steht im Geheimbrief von Moderna und Pfizer

Ein gemeinsames Schreiben der mRNA-Impfstoffhersteller sorgt für Aufregung. Darin sollen geheime Informationen enthalten sein.

"Wichtige sicherheitsrelevante Informationen zu den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19" – so beginnt der Brief, den die Impfstoffhersteller Moderna und Pfizer in Abstimmung mit Swissmedic Mitte August verschickt haben. Darin wird thematisiert, dass die Impfstoffe der beiden Unternehmen in sehr seltenen Fällen eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) oder eine Perikarditis (Entzündung des Herzbeutels) auslösen können.

Das Schreiben ist echt und richtet sich an medizinische Fachpersonen. Doch mittlerweile wird es unter der Bezeichnung "Warnbrief" auch außerhalb dieser Gruppe herumgereicht – meist mit dem impliziten Hinweis darauf, dass die darin enthaltenen Informationen von Bundesrat und Massenmedien totgeschwiegen werden sollen, um die Impfkampagne nicht zu gefährden.

Stimmen tut dies jedoch nicht. Die im Schreiben enthaltenen Informationen sind – eins zu eins, für alle zugänglich und in deutscher, englischer, französischer sowie in italienischer Sprache – auf Swissmedic.ch abrufbar.

Eine Art Beipackzettel für Profis

Dass mit einem solchen Schreiben das medizinische Fachpersonal, welches dieses Präparat verabreicht, über unerwünschte oder sehr rare Nebenwirkungen informiert wird, ist alles außer außergewöhnlich, sondern eine reine Vorsichtsmaßnahme – ähnlich den Beipackzetteln, die sowohl bei frei verkäuflichen als auch rezeptpflichtigen Medikamenten beiliegen. Darin sind auch alle bekannten Nebenwirkungen aufgeführt.

Bei dem "Warnbrief" handele es sich um "eine DHPC (Direct Healthcare Professional Communication)", mit denen Pharmafirmen medizinische Fachleute über neu erkannte Arzneimittelrisiken und therapierelevante Änderungen der Fachinformation informieren, so Swissmedic-Sprecher Lukas Jaggi. Solche Schreiben werden entsprechend auch in der "Schweizerischen Ärztezeitung" veröffentlicht.

Herzprobleme bei 0,00127 Prozent der Impfungen

Niemand bestreitet, dass es infolge der mRNA-Impfung gegen Covid-19 zu einer Myokarditis oder Perikarditis kommen kann. Forschende, Medien und auch Swissmedic haben schon lange vor der Versendung des Schreibens von Pfizer und Moderna auf einen möglichen Zusammenhang hingewiesen. Auch bei Medien war dies mehrfach Thema. Genauso wie die Feststellung, dass es nur in sehr seltenen Fällen, dazu kommt.

Das Risiko für eine Entzündung am Herzen beträgt 0,00127 Prozent und ist damit verschwindend gering. Zudem waren die Verläufe laut Jaggi "mehrheitlich unproblematisch". Die Betroffenen waren überwiegend männlich und das mittlere Alter lag bei 39 Jahren.

Mehr Fälle nach Moderna, aber …

Von den bis Ende August gemeldeten Fällen traten etwa in der Schweiz 20 in Zusammenhang mit Pfizer/Biontechs Comirnaty auf und 102 mit Modernas Spikevax. In einem Fall ist der Impfstoff bislang nicht bekannt. Das lasse aber nicht darauf schließen, dass der Impfstoff von Moderna häufiger Nebenwirkungen auslöse als der von Pfizer/Biontech, so der Swissmedic-Sprecher. "Es wird in der Schweiz einfach mehr davon verabreicht." Auf rund 6,4 Millionen Moderna-Dosen kommen rund 3,2 Biontech-Dosen (Stand: 31. August 2021)

Was bei der Einordnung der gemeldeten Herzentzündungen nicht außer Acht gelassen werden darf, ist, dass sowohl Myokarditis als auch Perikarditis auch bei einer Sars-CoV-2-Infektion auftreten können, sogar bei Kindern. "In der Altersgruppe die am meisten betroffen ist – junge männliche Erwachsene – ist die Wahrscheinlichkeit um ein mehrfaches höher, wegen Covid-19 eine Myokarditis zu erleiden", so Jaggi. Zudem könne es auch ohne Infektion oder Impfung zu einer solchen kommen, etwa wenn man nach einer Erkältung zu früh beginnt, Sport zu treiben.

Für medizinische Laien sei in dem Schreiben vor allem der Satz wichtig, der darauf hinweist, dass der Nutzen der Impfungen auch weiterhin die möglichen Risiken überwiegt.

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