Das verraten Zehennägel über die Gesundheit

Verfärbungen oder Rillen? Das können bereits Anzeichen einer Erkrankung sein, aber auch bei zu langen Fußnägeln läuten die Alarmglocken.

Nicht nur Finger, sondern auch Zehennägel können die unterschiedlichsten Veränderungen aufweisen. Meistens handelt es sich dabei um ein Anzeichen für eine Krankheit, manchmal ist es aber auch "nur" ein Zeichen dafür, dass jemand seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann.

Von einem solchen Fall berichteten jetzt Dr. Ariela Orkaby und Dr. Andrea Wershof Schwartz von der Harvard Medical School in Boston (JAMA Intern Med 2018, online 9. April).

Zu lange Fußnägel

Der Mann kam wie immer sehr gepflegt zu seiner Ärztin: Frisch rasiert, mit weißem Hemd und feiner Jacke sowie glänzend polierten brauen Oxfordschuhen. Es war sein erster Arzttermin seit dem Tod seiner Frau vor einigen Monaten. Als die behandelnde Ärztin zusammen mit dem Mann zum Untersuchungszimmer lief, fiel ihr sein verlangsamter Gang auf.

Die klinische Untersuchung selbst förderte jedoch nichts Ungewöhnliches zutage: Das Gewicht war stabil, der Blutdruck im Normbereich. Stolz berichtete er, nach wie vor dreimal pro Woche ins Fitnessstudio zu gehen.

Durch seinen veränderten Gang alarmiert, bat die Ärztin den Patienten, seine Schuhe und Socken auszuziehen. Beide staunten über Zehennägel, die so lang waren, dass sie sich vorne bereits über die Zehen krümmten.

Der Mann gab zu, dass seine Frau ihm immer die Nägel geschnitten hatte, er habe Schwierigkeiten, sie zu erreichen und selbst zu kürzen.

Funktionelle Unabhängigkeit

Dieser Fall zeigt, dass man an den Zehennägeln sogar ablesen kann, wie es um die funktionelle Unabhängigkeit eines Patienten bestellt ist.

"Wir nutzen die Nägel schon lange als wichtige Quelle für medizinische Informationen: Trommelschlägelfinger können eine Lungenerkrankung andeuten, Splitterhämorrhagien eine Endokarditis, die Koilonychie einen Eisenmangel", erläutern die beiden Ärztinnen.

Zehennägel seien darüber hinaus ein Fenster zum funktionellen Status eines Patienten. Sie wachsen jeden Monat etwa 2 Millimeter; wenn sie sich bereits über die Zehen krümmen, bedeute dies, dass sich der Patienten oder die Pflegezuständigen seit Monaten nicht mehr darum gekümmert haben. In diesem Fall sollten Ärzte den Grund für das Versäumnis unbedingt herausfinden.

Kognitive Defizite oder Depression

Möglicherweise kann sich ein Patient aufgrund einer Arthrose oder Sarkopenie nicht mehr weit genug bücken.

Es kann aber ein Zeichen erster kognitiver Defizite sein. In diesem Fall wäre zu befürchten, dass der Patient nicht mehr in der Lage ist, seine Medikamente selbstständig einzunehmen, und Schwierigkeiten bei anderen Alltagsaktivitäten bestehen.

Auch eine Depression zählt zu den möglichen Ursachen, oder, wie im beschriebenen Fall, eine Umstellung der Lebensverhältnisse.

Bei pflegebedürftigen Personen kann dies ein Zeichen für ein Burn-out bei Angehörigen sein.

Das Gespräch mit dem gepflegten Mann habe dazu geführt, dass sich seine Kinder etwas mehr um ihn kümmerten und seine Tochter Termine für ihn bei einem Fußpfleger ausmachte. Nun könne er auch wieder mit dem gewohnten flotten Gang dahinschreiten. (Red)

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