"Dating-App-Betrügerin zockte mich um 12.000 Euro ab"

"Christina" soll einen Verehrer abgezockt haben.
"Christina" soll einen Verehrer abgezockt haben.privat
"Sie war attraktiv und intelligent, ich naiv und gierig": P. S. (35) erzählt, wie er einer Betrügerin aufgesessen ist.

P. S. ist 35 Jahre alt, IT-Berater und hat in den letzten zwei Wochen über 12.000 Euro durch eine Online-Betrugsmasche verloren. "Ich lernte am 27. Februar über die Dating-Plattform Lovoo eine interessante und attraktive Frau namens Christina kennen, die sich als Finanzanalystin ausgab", sagt S. Sie hätten täglich während Stunden geschrieben: Über den Alltag, Beruf, Hobbys – und Investmentmöglichkeiten. Schon bald habe sie das Gespräch auf eine chinesische Website gelenkt, auf der Devisenmarktgeschäfte getätigt werden können. Wie S. sagt, habe er sich komplett über den Tisch ziehen lassen: "Sie war attraktiv und intelligent, ich naiv und gierig."

27. Februar:

"Ich habe Linna, wie sie sich nennt, auf Lovoo kennengelernt. Sie gefiel mir gleich und wir führten viele interessante Gespräche. Schon bald verlegten wir unsere Unterhaltungen auf Whatsapp, schrieben stundenlang miteinander und lernten uns so näher kennen. So erfuhr ich etwa, dass sie ursprünglich aus China stammt, sie aber in Singapur aufgewachsen ist und an der Uni Wirtschaft studiert hat."

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"Zu dem Zeitpunkt war ich von ihrem Auftreten, ihrer Intelligenz, dem fachkundigen Wissen und natürlich ihrem Aussehen überzeugt. Auch als sie beiläufig eine chinesische Trading-Website erwähnt und mir vorschlägt, einen 'Test-Account' einzurichten, schrillen keine Alarmglocken. 'Wir können wandern oder Ski fahren gehen. Ich mag es hier', schreibt mir Christina. Ich stimme natürlich zu."

1. März:

"Heute hat sie mir die Finanzplattform gezeigt, wo sie in ihrer Freizeit offenbar mit Devisen handelt und ziemlich Geld macht. Laut einem Vermögensauszug hat sie allein bei der Krypto-Plattform Binance 12 Bitcoins. Die chinesische Website, die sie mir vorschlägt, erscheint mir zunächst extrem suspekt. Doch meine Einwände pariert sie gekonnt. Ich zahle als Test 100 Dollar ein und handle mit der Hilfe von Christina erstmals. Ein Trade dauert zwischen 90 und 300 Sekunden, ab 10 Dollar ist man dabei. Da sie mir zeigte, wie man das Geld auch auszahlt und eine Überweisung auf mein Konto geklappt hat, fasse ich Vertrauen."

4. März:

"Ich erhöhe fast täglich mein Investment. Da ich in wenigen Tagen über 2.000 Dollar Profit machte, stieg mein Vertrauen und es machte wirklich Spaß. Ich glaube an unbegrenzte Möglichkeiten und dachte sogar daran, eine Ausbildung zum Finanzanalysten zu machen. Ich fing an, zu kalkulieren, meine Profite auszurechnen, kurzum: Ich wurde gierig. Nach einer Woche habe ich insgesamt über 12.000 Dollar auf die Plattform einbezahlt und 5.000 Dollar Gewinn gemacht. Christina empfahl mir, eine sogenannte 'VIP-Mitgliedschaft' abzuschließen und ich meldete mich dafür an."

5. März:

"Aufgrund eines plötzlich auftretenden Netzwerkproblems kann ich nicht mehr auf die Website zugreifen. Christina versucht, zu beschwichtigen und verwies auf geplante Wartungsarbeiten. Ich machte mir aber trotzdem Sorgen und wurde äußerst misstrauisch. Als die Website wieder funktionierte, machte ich nur noch Verlust. Mein bester Freund und ich durchsuchten dann Google nach der Website und wurden nach über zwei Stunden fündig: Unter dem Stichwort 'Tinder Forex Scam' warnten einige Betroffene vor der Betrugsmasche."

6. März:

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"Von meinen über 15.000 Dollar auf dem Konto kann ich keinen einzigen Cent auf mein Konto außerhalb der Website überweisen. Der 'Kundendienst' der Website besteht darauf, dass ich noch 6.000 Dollar einbezahle, um das nächste Level bei der VIP-Mitgliedschaft zu erreichen. Erst dann dürfe ich eine Rückzahlung beantragen. Ich werde sozusagen erpresst. Wohl oder übel muss ich mein Geld also abschreiben."

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S. hat mittlerweile eine israelische Cybercrime-Firma beauftragt, den entstandenen Schaden zu begrenzen und zumindest einen Teil des Geldes wieder aufzutreiben. "Das Ganze nagt am Ego. Ich hoffe, so mit einem blauen Auge davonzukommen." Christina bestreitet, P. S. oder andere abgezockt zu haben: "Erstens habe ich nie jemanden gezwungen, die gleiche Website wie ich zu verwenden. Es basiert also alles auf Freiwilligkeit. Zweitens hat die Plattform seine Rückzahlung nicht storniert, sondern nur eingefroren. Er muss einfach die abgemachten Gelder einzahlen, dann kann er eine Rückzahlung beantragen."

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