So wird Dating nach der Coronakrise aussehen

Wie wird das Liebesleben nach Corona aussehen? Psychotherapeuten und Beziehungscoaches erkären, mit welchen Veränderungen sie rechnen.
Gesellschaft erhält gerade einen neuen Stellenwert. So wie sie das immer tut, durch eine kollektive Krisensituation angeregt. Damit verändert sich unsere Sichtweise auf Beziehungen jeder Art. Auch auf Liebesbeziehungen.

Beziehungsexperten äußern ihre Einschätzungen im Gespräch mit der Woman. Hier die wichtigsten Erkenntnisse.

Die Erkenntnis der Singles

"Singles merken gerade, wie es sich anfühlt, wirklich alleine zu sein," meint der Psychotherapeut Christian Beer. Zwar würden wir uns weiterhin daten, aber die Perspektive würde sich verlagern. "Was vielleicht durch das Social Distancing passieren wird, ist eine Werteverschiebung. Singles merken gerade noch stärker, wie es sich anfühlt, unfreiwillig und permanent alleine zu sein. Natürlich kennen sie das von anderen Situationen wie Weihnachten oder dem Geburtstag. Doch bei jenen sozialen Events, konnten sie häufig noch selbst entscheiden, ob sie allein oder mit anderen sein wollten. Jetzt gibt es keine Entscheidungsmöglichkeit. Der Mensch ist aber ein soziales Wesen und viele Alleinlebende werden jetzt umso mehr das tiefe Bedürfnis spüren, neben Sexualität und romantischer Liebe, sich zu binden."Singles erkennen nun somit, wie einsam sie wirklich sind. Nach der Corona-Krise wird die Tendenz zu aktivem Dating steigen.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Vertrauen, Intimität und echte Nähe

"Das Virus erzwingt körperliche Distanz und schafft damit gleichzeitig das Bedürfnis für mehr Nähe und Geborgenheit," so

der Beziehungscoach Dominik Borde. Wir lernen Nähe und Intimität trotz sozialer Distanz aufzubauen. Das hat Einfluss auf den Charakter unserer Konversationen. In unserer Online-Präsenz sind wir offener und führen tiefsinnigere, ehrlichere Gespräche, auch mit Unbekannten. Wir erzählen ihnen möglicherweise Details, die wir sonst nicht angesprochen hätten.

"Wir sind öfter persönlich erreichbar und wertschätzen die Zeit des Gegenübers durch höhere Aufmerksamkeit. Nicht die Technik, sondern die Veränderung sozialer Umgangsformen macht den Unterschied."

Hand in Hand mit dieser Entwicklung geht ein anderer Lernprozess, der durch die Krise eingeleitet oder intensiviert wurde. Wir lernen die wahre Hingabe zum Moment neu oder intensivieren unsere Kenntnis, begegnen einander aufmerksam und neugierig. Der Stellenwert von Kontakten wird uns wieder bewusst. "Das Virus erzwingt körperliche Distanz und schafft damit gleichzeitig das Bedürfnis für mehr Nähe und Geborgenheit. Wir unterhalten uns online über Persönliches mit Fremden, die wir sonst nicht kennengelernt hätten, rücken emotional enger zusammen und führen bewusstere Gespräche."

"Wir haben die Wichtigkeit von Beziehungen wieder erkannt"

Petra Fürst, Beziehungscoach, über Online-Dating: "Es ist im Moment für Singles die einzige Möglichkeit, potentielle Partner kennenzulernen und zu flirten. Nach Corona wird wieder Normalität einkehren, aber vieles wird sich verändert haben. (...) Viele reflektieren jetzt über ihr Leben und planen ihren Neuanfang nach Corona." Sie glaubt an positive Veränderungen für Singles. "Es wird schneller zu Treffen kommen. Corona hat uns die Augen geöffnet und wir haben die Wichtigkeit von Beziehungen wieder erkannt."
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