Die "goldene Generation" ist erneut gescheitert! Belgien war als Nummer eins der Weltrangliste ins Turnier gestartet. Wie bei den vergangenen Großereignissen konnten die "Roten Teufel" nicht halten, was sich die Fans vom mit Stars gespickten Kader von ihnen versprochen hatten.
Belgien verlor am Freitag das EM-Viertelfinale gegen Italien in München mit 1:2. Nach der dominanten Vorrunde mit drei Siegen und dem Aufstieg im Achtelfinale gegen Titelverteidiger Portugal war gegen die Squadra Azzurra Endstation. Italien siegte leistungsgerecht, war vor allem in der ersten Hälfte dominant, ging mit 2:0 in Führung. Belgien verkürzte nach einem umstrittenen Elfmeter-Pfiff. Die zweite Halbzeit gestaltete sich offen. Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Co. konnten zu selten für Gefahr sorgen.
Die beiden Stars hätten durch eine Co-Produktion nach gut einer Stunde Spielzeit beinahe den Ausgleich erzielt. Spielmacher De Bruyne setzte den Inter-Stürmer durch einen Stangelpass ideal ein. Lukakus Abschluss wurde von Leonardo Spinazzola auf der Linie geklärt (der italienische Held verletzte sich später schwer). Ansonsten blieb selbst De Bruyne über weite Strecken unauffällig.
Inzwischen ist klar, warum.
Der Manchester-City-Legionär hatte sich im Achtelfinale bei einem Foul von João Palhinha verletzt. Die ganze Nation hatte kollektiv aufgeatmet, als sein Name vor dem Italien Match in der Startelf aufgeschienen war. Doch, wie der 30-Jährige nach dem Abpfiff verriet, war es zu keiner Blitz-Heilung gekommen. Nein, der Mittelfeld-Mann spielte verletzt.
"Es war ein Wunder, dass ich heute gespielt habe", sagte er im TV-Interview, fügte an, mit einem "Riss in meinen Bändern" gespielt zu haben. Weder er noch der belgische Verband haben bislang Details über die Verletzung genannt. Damit ist auch weiter offen, ob De Bruyne seinem Klub womöglich länger fehlen könnte.
Warum er trotzdem spielte? "Weil ich mich verantwortlich gefühlt habe, für mein Land zu spielen."
De Bruyne wurde also binnen kürzester Zeit zum zweiten Mal zum tragischen Helden. Er hatte schon im Champions-League-Finale gegen Chelsea verletzt ausgewechselt werden müssen, nachdem ihn Gegenspieler Antonio Rüdiger mit einem Check niedergestreckt hatte. Er hatte die 0:1-Niederlage von der Ersatzbank aus, mit einem Eisbeutel im Gesicht, mitansehen müssen.
Nach einer Operation in Folge seiner Gesichtsfrakturen hatte er auch den EM-Auftakt mit Belgien verpasst. Nun machte ihm das Palinha-Foul auf dem Weg zum lange ersehnten Titel mit seinem Heimatland erneut einen Strich durch die Rechnung. Belgiens vielzitierter "goldenen Generation" läuft die Zeit davon. Speziell die Abwehrreihe um Vermaelen, Alderweireld und Vertonghen ist bereits in die Jahre gekommen.