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Der große "First Look"-Test von "heute.at"

Heute Redaktion
14.09.2021, 13:32

Nach vergleichsweise kurzer Entwicklungszeit erscheint Gran Turismo Sport am 16. November für die Playstation 4. "heute.at" durfte am legendären Nürburgring einen ersten Blick auf den neuen Super-Simulator werfen und hat die wichtigsten Infos zusammengestellt.

Nach vergleichsweise kurzer Entwicklungszeit erscheint Sport am 16. November für die Playstation 4. "heute.at" durfte am legendären Nürburgring einen ersten Blick auf den neuen Super-Simulator werfen und hat die wichtigsten Infos zusammengestellt.

"Ich möchte die Menschen mit meinen Fähigkeiten überraschen", erklärte Gran-Turismo-Schöpfer Kazunori Yamauchi bei der Präsentation an der Nordschleife. Das macht der Japaner in mehr oder weniger großen Abständen schon seit fast zwei Jahrzehnten. Das erste Gran Turismo erschien 1998 in Europa, seither folgten fünf weitere exklusive der Zwischentitel wie Concept und Prologue. Teilweise lagen bis zu fünf Jahre zwischen den Hauptversionen. Grund dafür ist die Detailverliebtheit und das immer größer wachsende Spiel.

Mittlerweile arbeiten rund 200 Menschen an Gran Turismo. Zum Vergleich: Am Ur-GT programmierten vor rund 20 Jahren nur 15 Personen. "Der Geist ist aber derselbe geblieben", meint der Japaner. Der 48-Jährige selbst ist leidenschaftlicher Rennfahrer. Bei den diesjährigen 24 Stunden am Nürburgring ist Yamauchi mit dem Team Walkenhorst und einem BMW M6 GT3 am Start. Der Rennstall ist ein wichtiger Entwicklungspartner. So wurde der M6 mit unzähligen Sensoren verkabelt, die Telemetriedaten liefern, die wiederum ins Spiel einfließen und so das Fahrverhalten der Boliden realistischer gestalten.

Womit wir beim Spiel wären oder der Simulation, wie es das Entwicklungsstudio Polyphony Digital, eine Sony-Schwester, gerne betont. Ich selbst bin ja GT-Racer der ersten Stunde und habe jeden Teil ausgiebig gezockt. Mit der Einladung zum Pretest des zu 50 Prozent fertigen Spiels an den Nürburgring, eine Strecke die ich im Schlaf beherrsche, ging somit ein Traum in Erfüllung. Umso genauer fiel dadurch der Blick auf das Spiel aus, auf der nächsten Seite schildere ich meine Eindrücke.
Was ist neu bei Gran Turismo Sport?

Erstmals erscheint GT auf der PS4, das bedeutet auf den ersten Blick natürlich eine wesentlich bessere Grafik. Hier sind die weiteren Eckdaten:

Die Autos sind jetzt viel detaillierter designt. Besonders viel Wert wurde auf den Innenraum gelegt, wo jetzt auch die Nähte der Sitze erkennbar sind.
Insgesamt 140 Fahrzeuge stehen von Beginn an zur Auswahl. Unterteilt werden sie in vier Gruppen: Gruppe N (Serie), Gruppe 4 (seriennahe Sportwagen), Gruppe 3 (vergleichbar mit der GT3-Klasse) und die Gruppe 1 (vergleichbar mit der LMP1-Klasse). Es gibt wieder einige Designstudien, die in GT steuerbar sind.
19 Strecken mit 27 Layouts stehen zur Auswahl. Neu sind der Tokyo Expressway, eine Fahrt zwischen Leitplanken auf einer Stadtautobahn, sowie der Northern Isle Speedway, ein Halb-Meilen-Oval ähnlich dem Bristol Motor Speedway. Außerdem wird es Dirt-Tracks geben, die waren aber noch nicht spielbar.
Mit dem Lackeditor kann in Zukunft jedes Auto individuell gestaltet werden.
Der Foto-Modus bietet in Zukunft rund 1.000 verschiedene Hintergründe, vor denen der Bolide in Szene gesetzt werden kann.


Die größte Änderung beinhaltet aber das Online-Gaming. Hier wird ein Brückenschlag zur Realität geschaffen, wie er bislang nur durch die GT Academy erreicht wurde. In zwei Online-Weltmeisterschaften, dem Nations Cup und dem Manufacturer Fan Cup fahren die Online-Racer um mehr als Ruhm und Ehre. Am Ende der Saison werden die Weltmeister beider Ligen bei der offiziellen FIA-Preisverleihung, bei der unter anderem auch der Formel-1-Weltmeister seinen Pokal erhält, geehrt.

Somit hat erstmals ein E-Sport-Rennspiel Weltmeisterschaftsstatus. Und es kommt noch besser: Erreicht man im Spiel ein gewisses Level, erhält man eine offizielle FIA-Online-Rennlizenz, die ebenbürtig mit einer echten nationalen FIA-Rennlizenz ist. Somit wäre es rein theoretisch möglich und auch erlaubt an echten Rennen teilzunehmen. Bislang wird dies aber nur von sechs europäischen Ländern (Belgien, Norwegen, Dänemark, Großbritannien, Türkei und Island) unterstützt. Österreich soll aber noch folgen.

Anscheinend will sich Gran Turismo als eigene Rennserie etablieren, denn es wurde auch angekündigt, dass die Finalrennen der WM live übertragen werden. Ein wesentlicher Punkt, damit man soweit kommt, ist aber das eigene Fahrverhalten. Das Sammeln sogenannter Sportsmanship-Punkte ist wichtig, um seinen eigenen Rang zu steigern. Diese verliert man bei Crashes und Rammstößen. Bei Live-Events werden übrigens richtige Renn-Stewards zum Einsatz kommen, die Unfälle bewerten und etwaige Sanktionen aussprechen.

Wie sich Gran Turismo Sport spielt erfahren Sie auf der nächsten Seite...
So spielt sich Gran Turismo Sport

Mein erster Eindruck: Die Boliden sind einfacher zu steuern und tun mehr das, was man will. "Wir haben die Physik verändert. Das natürliche Verhalten der Autos soll im Vordergrund stehen", erklärte Yamauchi. Fahrhilfen gestalten das Spiel noch einsteigerfreundlicher. Ich selbst habe beim Test sämtliche Helferlein deaktiviert und nicht allzu weiche Reifen aufgezogen. Dennoch lassen sich LMP1-Boliden trotz riesiger Kraft sehr gut kontrollieren. Abgesehen von den erwähnten Änderungen bleibt es aber Gran Turismo wie man es kennt und liebt.

Somit bleibt es auch dabei: Ohne Lenkrad wird keine vernünftige Rundenzeit zustandekommen. Und hier liegt der Hund begraben. GT-Zocker müssen sich auf hohe Anschaffungskosten einstellen, denn die Lenkrad-Controller von der PS3 sind in der Regel nicht mit der PS4 kompatibel.

Das Fazit

Zwar verwehren sich die Entwickler gegen diese Ansage, aber Gran Turismo Sport ist nun einfach eine Übergangsversion zu GT7. Das Game besticht zwar durch unfassbar gute Grafik und die gewohnte GT-Qualität, die Fahrzeug- und Streckenauswahl ist aber eher bescheiden. Gut möglich, dass diese aber bald durch DLC erweitert wird - da hielten sich die Entwickler bedeckt. Ein Quantensprung ist hingegen der neue Online-Modus. Wer sich also für GT7 warmspielen und dabei um einen WM-Pokal kämpfen will, der wird mit diesem Spiel sicherlich glücklich werden. Generell bleibt zu sagen, dass es sicherlich die bestausgestattete Übergangsversion von GT aller Zeiten ist.

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