Der Termin für die neue Corona-Explosion steht fest

Eine Corona-Patient wird auf der Intensivstation eines Spitals behandelt.
Eine Corona-Patient wird auf der Intensivstation eines Spitals behandelt.Bernd Wüstneck / dpa / picturedesk.com
Bis spätnachts wurde im Gesundheitsausschuss über Corona debattiert. Das Gesundheitssystem wird noch einmal an seine Grenzen gelangen, heißt es.

AGES-Abteilungsleiter Franz Allerberger, Tropenmediziner Herwig Kollaritsch, Allgemeinmedizinerin und Mitglied des Beraterstabs des Gesundheitsministeriums Susanne Rabady, Public-Health-Experte Martin Sprenger und Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres trafen in der Nacht zum "Expertenhearing" auf die Abgeordneten des Gesundheitsausschusses – und hatten teils düstere Prognosen im Gepäck.

Allen voran Allerberger: Der AGES-Boss befürchtet einen weiteren "Gipfel an Erkrankungen" in etwa vier Wochen, der das Gesundheitssystem an seine Kapazitätsgrenzen bringen könnte. Zwar sei die befürchtete "apokalyptische Pandemie" ausgeblieben, die Übersterblichkeit sei aber dramatisch. Allerberger schätzt, dass etwa 30 Prozent der Bevölkerung immunisiert sind. Aber: Für alle werde vermutlich eine jährliche Schutzimpfung notwendig werden.

Zweiter Lockdown kam zu spät

Aktuell dürfe man sich nicht in falscher Sicherheit wiegen, der Winter sei noch nicht vorbei und er befürchte einen weiteren Gipfel an Erkrankungen. Dieser könne auch das Gesundheitssystem wieder an seine Grenzen bringen. Dieser Gipfel in vier Wochen müsse aber nicht zwingend einen Lockdown bedeuten, so Allerberger, man müsse den Mut haben, ein "gewisses Restrisiko" bewusst in Kauf zu nehmen. Auch Öffnungen der Gastronomie halte er für möglich.

Herwig Kollaritsch, Facharzt für spezifische Profilaxe und Tropenmedizin, sagte mit Blick auf den Beginn der Pandemie, dass niemand vorbereitet gewesen sei und das auch nicht möglich gewesen wäre. Der erste Lockdown sei zeitgerecht und rigoros verhängt worden. Der zweite Lockdown im November sei laut Kollaritsch zwei Wochen zu spät verhängt worden. Ihm habe außerdem weh getan, dass die Corona-Ampel keine Kompetenzen zur Umsetzung regionaler Maßnahmen erhalten habe.

Versorgung durch Hausärzte wackelt

Susanne Rabady, Landärztin und Mitglied des Beraterstabs der Corona-Taskforce im Gesundheitsministerium, brachte die Perspektive der niedergelassenen Ärzte ein. Es gebe einen Punkt, jenseits dessen eine gute ambulante Versorgung nicht mehr möglich sei, und zwar abhängig von der Anzahl der Erkrankten. Laut Rabady würden nun auch die Langzeitfolgen immer sichtbarer. Nach den zehn Tagen vorgeschriebener Quarantäne seien etwa 60 Prozent der Patienten nicht beschwerdefrei. 

Der Wissenschafter und Experte für Public-Health Martin Sprenger thematisierte in seinen Ausführungen die soziale Seite der Pandemie. Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, brachte die Behandlung von schweren COVID-19-Verläufen ins Treffen. Österreich habe im vergangenen Jahr viel gelernt, nicht jedoch, wie man schwere Verläufe verhindern könne. Er sprach sich für mehr internationale Zusammenarbeit und Forschung zu Medikamenten aus. 

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