Der Wahnsinns-Lauf des Krisenklubs Manchester United

Paul Pogba jubelt über sein Siegestor in Burnley.
Paul Pogba jubelt über sein Siegestor in Burnley.imago images
Trainer Ole Gunnar Solskjaer stand bei Manchester United vor dem Aus. Jetzt steht der Klub erstmals seit vier Jahren wieder an der Spitze.

Anfang November 2020 sieht es für Ole Gunnar Solskjaer düster aus. Nach der 0:1-Pleite gegen Arsenal steht Manchester United in der Premier League auf dem 16. Platz. Die englische Boulevardpresse sucht bereits nach dem Nachfolger des Norwegers. United-Legende Roy Keane lässt gegenüber der "Sun" seiner Verzweiflung freien Lauf: "God help us!", lässt der ehemalige Captain des Clubs verlauten.

Und es scheint fast, als hätte der Herr den Aufruf des Iren erhört. Zwar verabschieden sich die "Red Devils" nach drei Niederlagen in Folge noch vor Jahresende aus der Champions League, in der Premier League läuft es dafür plötzlich richtig gut. Zehn Spiele in Folge bleibt Manchester United ungeschlagen, achtmal gibts einen Sieg. Und Ole Gunnar Solskjaer sitzt plötzlich wieder fest im Sattel.

Erste Tabellenführung seit 2017

Dank der Erfolgsserie macht United auch in der Tabelle mächtig Boden gut. Statt im Tabellenkeller stand der englische Rekordmeister nach 16 Spielen plötzlich auf Rang zwei, einen Punkt hinter Leader Liverpool. Und so kommt es, dass die "Red Devils" am Dienstagabend dank eines 1:0-Sieges gegen Burnley zum ersten Mal seit 2017 den Leaderthron der Premier League besteigen.

Doch wie lässt sich dieser steile Aufstieg innerhalb von nur gut zwei Monaten erklären? Zum einen durch die schwächelnde Konkurrenz. Während Manchester United seinen Lauf startete, patzen sowohl Meister Liverpool wie auch Stadtrivale Manchester City gegen vermeintlich kleinere Klubs. So kommen die Liga-Dominatoren der letzten Jahre gegen den Vorletzten West Bromwich beide jeweils nicht über ein 1:1 hinaus.

Währenddessen zeigt Manchester United vor allem auswärts Spektakel-Fußball. Sechs Mal liegt der 20-fache Meister auf fremden Plätzen zurück, sechs Mal drehen die Mannen von Solskjaer die Partie noch.

Klopp giftet gegen Schiedsrichter

Ein anderer Grund soll die Bevorzugung von United durch die Schiedsrichter sein. "Manchester United hat in den letzten zwei Jahren mehr Elfmeter zugesprochen erhalten, als wir in meinen fünfeinhalb Jahren hier", klagte Liverpool-Coach Jürgen Klopp vergangene Woche nach der 0:1-Pleite seiner "Reds" gegen Southampton. Und tatsächlich: Ganze 20 Mal durfte sich in den vergangenen zwei Premier-League-Saisons ein United-Spieler vom Elfmeterpunkt versuchen – Rekord! In dieser Saison sind es aber erst sechs Elfmeter und damit nur einer mehr als Rivale Liverpool auf dem Konto hat.

Ausgerechnet am Wochenende kommt es nun zu Direktduell der beiden höchstdekorierten Klubs des Landes. Der neue Leader Manchester United reist zum Zweiten Liverpool an die Anfield Road. Nicht auszumalen, zu welchen Aussagen sich Liverpool-Trainer Klopp nach dem Spiel hinreißen lassen könnte, sollte United dank einem Elfmeter-Treffer seine Serie weiter ausbauen.

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