Deshalb stecken Veganer im Impf-Dilemma

Mäuse im Tierversuchslabor
Mäuse im TierversuchslaborUtrecht, Robin / Action Press / picturedesk.com
Vegan lebende Personen stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Corona-Impfung wegen Tierversuchen boykottieren, oder sich trotzdem impfen lassen? 

Bei Google und Facebook gilt die Impfpflicht bereits, in Frankreich und Großbritannien müssen Angestellte im Gesundheits- und Pflegesektor ebenfalls schon bald geimpft sein. Auch in Österreich tobt eine Debatte um die Impfpflicht.

Doch bei den Briten gibt es Ausnahmen. So sollen Veganerinnen und Veganer vom Impfzwang am Arbeitsplatz befreit sein. Sie stören sich an den Tierversuchen für die Impfstoffforschung. Der ethische Veganismus ist seit einem Gerichtsurteil besonders geschützt, vergleichbar mit religiösen Gruppen und Menschen mit bestimmten Erkrankungen, wie der "Telegraph" schreibt.

Alternativen ohne Tierversuche gibt es nicht

Wie die britischen Tierschützerinnen und Tierschützer fordert auch die Interessenvertretung der vegan lebenden Personen, Swissveg, "schon seit Jahren ein Ende der jährlichen zig-millionenfachen Tötung von Hühnerembryonen und Kälberföten für die Impfstoffherstellung", wie die stellvertretende Geschäftsführerin Simone Fuhrmann zu 20 Minuten sagt. Es müsse dringend nach geeigneten Alternativen geforscht werden.

Allerdings plädiert der Verein Vegane Gesellschaft Schweiz für eine lösungsorientierte und wissenschaftliche Debatte beim Impfen. Solange es keine Alternativen gibt, empfiehlt er, den Empfehlungen des Bundes zu folgen, wie Geschäftsleiterin Laura Lombardini auf Anfrage sagt. "Beim Veganismus geht es um Leidverminderung. Dazu gehört auch, die eigene Gesundheit ernst zu nehmen", so Lombardini.

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Auch die Denkfabrik Sentience Politics ist grundsätzlich für die Corona-Impfung, wie Geschäftsleiter Silvano Lieger auf Anfrage sagt. "Natürlich wollen auch wir weniger Tierversuche, dafür braucht es aber Gesetzesänderungen, weil Impfstoff- oder Medikamenten-Patente ohne Tierversuche oft gar nicht zugelassen sind", so Lieger.

Gieri Bolliger von der Stiftung Tier im Recht bestätigt auf Anfrage, dass es für impfwillige Bürgerinnen und Bürger derzeit keine Alternativen ohne Tierversuche zu den bisher bekannten Wirkstoffen gegen Corona gibt. Er sei allgemein skeptisch bei Tierversuchen. "Doch solange es keine Impfstoffe ohne Tierversuche gibt, müssen wir schweren Herzens auf die vorhandenen Impfstoffe zurückgreifen", so Bolliger.

Peta für Corona-Impfung

Auch die weltweit größte Tierschutzorganisation Peta plädiert fürs Impfen. Den Impfstoff aus ethischen Gründen zu verweigern, helfe weder den Tieren aus früheren Versuchen noch denen bei zukünftigen Tests. Peta lobt stattdessen, dass diesmal aufgrund der Dringlichkeit bestimmte Tierversuche übersprungen wurden und klinische Studien mit Menschen parallel durchgeführt wurden.

"Ich gebe mir Mühe, vegan zu leben, aber ich habe mich trotz der Tierversuche gegen Corona impfen lassen, weil das unsere Pflicht in einer Pandemie ist. Gäbe es eine Alternative ohne Tierversuche, würde ich mich natürlich dafür entscheiden", sagt Tierschützerin Susy Utzinger.

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