Deswegen hast du deinen Kandidaten wirklich gewählt

Von "kein Besserer angetreten" bis zu "es ändert sich sowieso nix" – deswegen gingen die Österreicher (nicht) wählen.
Von "kein Besserer angetreten" bis zu "es ändert sich sowieso nix" – deswegen gingen die Österreicher (nicht) wählen.FLORIAN WIESER / APA / picturedesk.com
Zumindest beim Wahlergebnis blieben die großen Überraschungen aus. Beim Blick in die Wahlmotive zeigen sich aber durchaus interessante Überlegungen.

Der amtierende Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat die Wahl gewonnen. Doch warum wurde er gewählt? Das offenbart eine Wahlmotiv-Befragung von Peter Hajeks Public Opinion Strategies im Auftrag für ATV. 45 Prozent der VdB-Wähler hielten ihm demnach für den "besten Kandidaten" oder zumindest seine Konkurrenten als "nicht wählbar". 39 Prozent sagen, er habe "seine Sache gut gemacht" und "sich bewährt". 15 Prozent gaben ihm die Stimme, weil er "besonnen, intelligent, vernünftig und erfahren" sei. 11 Prozent schätzten, das er "mit ruhiger Hand durch Krisen" geführt habe und für Stabilität stehe, 9 Prozent attestierten ihm, "vertrauenswürdig, ehrlich und sympathisch" zu sein.

Rosenkranz als "Anti-Van-der-Bellen"

Wer dagegen Walter Rosenkranz (FPÖ) seine Stimme gab, tat dies offenbar nicht in erster Linien wegen seiner Person (28 Prozent), sondern um "Van der Bellen abzuwählen", weil dieser unter anderem "alles nur abgenickt" habe und "zu alt" sei. 17 Prozent der Wähler schätzten die "juristische Ausbildung" von Rosenkranz sowie, dass er "erfahren, kompetent, vernünftig und seriös" sei. 15 Prozent wählten Rosenkranz, weil er "auf die ÖsterreicherInnen schaut" oder "auf der Seite des Volks" stehe. 9 Prozent stimmten für ihn, weil er als Volksanwalt die "Sorgen der Menschen kennt". Interessant: Zu MFG-Chef Michael Brunner und Schuhfabrikant Heinrich Staudinger bekannten sich zu wenige Wähler für eine Motiv-Analyse.

Grosz als "Sprachrohr" der Bevölkerung

Bei Blogger Gerald Grosz scheinen die Schimpftiraden und Beleidigungen zumindest bei einigen Wählern gut anzukommen – "er versteht die Sorgen der Menschen und spricht aus, was das Volk denkt", sagen immerhin 19 Prozent von ihnen. Noch mehr (20 Prozent) finden ihn "sympathisch, ehrlich und authentisch", 24 Prozent als "am ehesten wählbar" oder als "besten Kandidaten". 18 Prozent wählten ihn, weil er die Regierung entlassen oder "etwas verändern" würde, 11 Prozent, weil er "meine Ansichten" vertrete. Bierpartei-Gründer Dominik Wlazny wiederum wurde von 26 Prozent seiner Wähler als "ehrlich, authentisch, sympathisch" eingestuft, 23 Prozent wählten ihn, weil er jung und dynamisch sei, für junge Menschen eintrete.

Wlazny als Kandidat "für junge Menschen"

Ebenfalls 23 Prozent hofften mit ihrer Stimme für Wlazny auf "Veränderung, frischen Wind, neue Ideen", 18 Prozent sahen sich von ihm politisch am besten vertreten und 14 Prozent hielten ihn für den besten Kandidaten. Kurioses Ergebnis bei Anwalt Tassilo Wallentin – 15 Prozent wählten ihn wegen "seiner Beiträge in der Krone". Immerhin je 26 Prozent hielten ihn für "kompetent, intelligent" und juristisch gut ausgebildet sowie mit "guten Argumenten" ausgestattet und als Vertreter der eigenen Ansichten. Jeder zehnte Wallentin-Wähler hielt ihn zudem für den besten Kandidaten, 8 Prozent für unabhängig. Pikant: 23 Prozent der Nichtwähler sind "politikverdrossen", 23 Prozent fühlen sich von keinem Kandidaten vertreten, 19 Prozent hatten "keine Zeit" zum Wählen, 11 Prozent "keine Lust" und 7 Prozent halten das Amt des Präsidenten für "unnötig".

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